Ablesen war nicht erwünscht

Christina Günther (links) und Judith Schulte-Loh moderierten das Stadtgespräch. Foto: Bender

Altena - Nach der Aufzeichnung des WDR 5-Stadtgesprächs am Mittwochabend geht es im Internet rund: Die Moderation sieht sich unter anderem im Forum von www.come-on.de mit Zensur-Vorwürfen konfrontiert.

Hintergrund ist, dass Saalmoderatorin Christina Günther einem Zuhörer die Abgabe seines Statements verweigerte. Der Mann habe einen Zettel mit einem vorgefertigten Beitrag vorlesen wollen, erklärte ein Sprecher des Senders auf AK-Anfrage. So etwas stehe mit dem Konzept der Sendung nicht in Einklang, sie lebe auch von der Spontanität der Beiträge aus dem Publikum. 

Der Vorwurf der Zensur werde aber schon dadurch ad absurdum geführt, dass ein anderer Zuhörer dem Innenminister Versagen vorwerfen und seinen Rücktritt fordern konnte, ohne unterbrochen zu werden. Mehr noch: Als es dazu Buhrufe aus dem Publikum gab, forderte die Hauptmoderatorin Judith Schulte-Loh zur Mäßigung auf: Auch solche kritischen Äußerungen müssten möglich sein.

Mit Ausnahme dieser beiden Besucher, die anschließend lautstark protestierend die Veranstaltung verlassen mussten, blieb das Publikum friedlich; es stand den Flüchtlingen erkennbar wohlwollend gegenüber. Kritik gab es allenfalls in Details – dort tauchte die Frage auf, warum die Kosten für einen VHS-Sprachkurs nicht übernommen werden (darum will Jäger sich kümmern), hier wurde nach Möglichkeiten gefragt, die Asylbewerber dazu zu bringen, nicht einen beachtlichen Teil des Sprachunterrichts zu schwänzen. Darauf wusste keiner eine Antwort.

Prof. Thomas K. Bauer, Vizepräsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, sprach sich auf dem Podium dafür aus, den Zustrom auch als Chance zu begreifen – er könne auch die Konjunktur ankurbeln: „Das ist zwar nicht sicher, aber wir haben das in Deutschland schon mehrfach gezeigt und gesehen, dass uns das etwas bringt.“

Für Esther Szafranski sind die Flüchtlinge auch eine persönliche Bereicherung. Die Erfahrungen mit den von ihr betreuten Flüchtlingsfamilien seien gut. „Ich würde mir wünschen, dass sie hier bleiben und Mitbürger werden würden“, sagte sie. Für Altena könne sie sich die Aufnahme weiterer Flüchtlinge vorstellen – „hier geht noch was“. Zu akzeptieren sei aber auch, dass viele andere Städte an ihre Grenzen kämen.

Das ist auch die Auffassung von Finnentrops Bürgermeister Dietmar Heß (CDU), der gleichzeitig Vizepräsident des Städte- und Gemeindebundes NRW ist. Er sieht die Städte und Gemeinden „in einem Wettkampf, den es eigentlich gar nicht gibt - nämlich Sprint und Marathon.“ Unter Sprint versteht er die Unterbringung und Versorgung der Menschen. Das binde soviel Kraft, dass für den Marathon – die Integration – keine Reserven mehr vorhanden seien.

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