Lenne-Kliniken GmbH übernimmt

St. Vinzenz in neuer Hand: Kaufmann kehrt zurück

[Update 18.30 Uhr] Altena - Die frisch gegründete Lenne-Kliniken GmbH übernimmt zum Jahreswechsel das St. Vinzenz-Krankenhaus. Hinter dem neuen Eigentümer stecken die erst im November gegründete Palanx Holding aus der Schweiz als Investor und Michael Kaufmann als Geschäftsführer.

Letzterer ist für die Vinzenz-Mitarbeiter ein alter Bekannter: Kaufmann wirkte jahrelang als Geschäftsführer des St. Vinzenz-Krankenhaus, das damals noch der katholischen Kirchengemeinde gehörte. 2009 kam es zum Bruch, Kaufmann konzentriert sich seitdem auf die Geschäftsführung des Plettenberger Krankenhauses.

Schon vor zehn Jahren hatte sich Kaufmann dafür stark gemacht, durch eine weitgehende Kooperation zwischen den Häusern in Altena und Plettenberg ein Gegengewicht zu den mächtigen Märkischen Kliniken zu bilden. Eingebunden werden sollten die niedergelassenen Haus- und Fachärzte in der Region, die sich mit den Krankenhäusern im Gesundheits-Netzwerk Lennetz zusammengeschlossen hatten. Aus diesem bis heute bestehenden Verbund stieg das St. Vinzenz-Krankenhaus nach Kaufmanns Ausscheiden aber wieder aus.

Das Krankenhaus musste im Sommer Insolvenz anmelden.

Zumindest in einem Bereich wird die Zusammenarbeit der beiden Häuser sozusagen von eben auf jetzt greifen: Die Anästhesie des St. Vinzenz-Krankenhauses wurde schon von der Insolvenzverwaltung quasi aufgelöst, die Arbeitsverträge aller Anästhesisten laufen am Donnerstag dieser Woche aus. Ab dann übernehmen Ärzte aus Plettenberg diese Aufgabe auch in Altena. Auch eine Zusammenarbeit im Bereich der Chirurgie sei denkbar, sagte Kaufmann gestern in einem ersten, kurzen Statement und verwies darauf, dass der Plettenberger Dr. Harald Heisler bereits seit Jahren für beide Krankenhäuser arbeitet.

Anzunehmen ist, dass auch die Geschäftsführung der beiden Häuser in Personalunion erfolgen wird. Dirk Wiese, der bisherige St. Vinzenz-Geschäftsführer, geht jedenfalls davon aus, dass er als einziger dann verbleibender Mitarbeiter die Abwicklung der Alteigentümerin Vinzenz Altena GmbH übernehmen wird.

Vereinbart ist, dass diese zur Deutschen Klinikunion gehörende Gesellschaft zum 1. Januar Insolvenz anmelden wird und dann sofort die Lenne-Kliniken GmbH übernimmt – zu einem Kaufpreis, über den Stillschweigen vereinbart wurde. Dadurch, dass das Haus aus der Insolvenz gekauft wird, wird es komplett schuldenfrei. Das ist der große Unterschied zur letzten Übernahme: Die Deutsche Klinik-Union hatte auch erhebliche Verbindlichkeiten mit übernommen, was letztlich einer der Gründe für das Scheitern war. Hinzu kam, das Veränderungen wie zum Beispiel die Gründung einer Abteilung für Palliativmedizin nicht den erhofften Erfolg brachten.

Wie berichtet, befand sich das Haus seit Sommer in einer „Insolvenz in Eigenverantwortung“. Das bedeutet auch, dass es bereits einen Gläubigerausschuss gibt. Er habe vor Weihnachten grünes Licht für die Übergabe an Kaufmann gegeben, berichtete Dirk Wiese gestern. Diesem Gremium gehören ein Arbeitnehmervertreter sowie je ein Vertreter von Groß- und Kleingläubigern an. Zu den Großgläubigern gehört auch das Bistum Essen, das nach dem AK vorliegenden Informationen durch seine Zustimmung einen hohen Betrag abschreiben muss. Neben den Lenne-Kliniken gab es noch zwei weitere Übernahmeinteressenten.

Die Lenne-Kliniken GmbH übernimmt das gesamte Krankenhaus, also auch die Gebäude. Die Mitarbeiter werden weiterbeschäftigt, ihre Mitgliedschaft in der kirchlichen Zusatzversorgungskasse soll fortgeführt werden. Wiese informierte die Krankenhausbelegschaft gestern während einer Mitarbeiterversammlung über die Entwicklung. Die Neuigkeiten sollen mit Erleichterung aufgenommen worden sein. Kaufmann wird heute im Krankenhaus erwartet, wo er Gespräche über die jetzt anstehenden Schritte führen will.

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