„Frieden – jetzt erst recht“

Demo gegen Rechts nach Brandstiftung in Flüchtlingsunterkunft

„Was der Bauer nicht kennt – das brennt?!“, steht auf diesem Plakat, das zwei Teilnehmer tragen.

Altena - Es war im Wesentlichen ein politischer Import aus Lüdenscheid, der am Samstag durch die Lennestraße zog, um gegen Rechtsradikale, Fremdenfeindlichkeit und den Brandanschlag auf eine Altenaer Asylunterkunft zu demonstrieren.

Dazu aufgerufen hatte das „Bündnis gegen Rechts“ aus der Kreisstadt, und es kamen Antifaschisten und die sozialistische Jugend, die Partei „Die Linke“ und viele Vertreter der Alevitischen Gemeinde Lüdenscheid. Redner äußerten in der Kundgebung ihre Enttäuschung über den ausbleibenden Protest in der Burgstadt nach dem fremdenfeindlichen Angriff.

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Allerdings gibt es in diesen Tagen noch zahlreiche andere Möglichkeiten, seine Solidarität gegenüber ankommenden Flüchtlingen zu beweisen und sich zivilisierter zu verhalten als geistig und moralisch völlig verirrte Brandstifter. Die Botschaften der Demonstration waren so plakativ, wie sich das für eine Demonstration gehört: Der Aufruf „Frieden – jetzt erst recht“ ging voran, und viele kleine Statements zur brisanten Weltlage folgten: „Nazis raus!“, „Kein Mensch ist illegal“, „Hoch die Internationale Solidarität!“

Doch es gab auch komplexere Statements wie auf diesem textlich ausgefeilteren Plakat: „Erst dann wird alles gut sein, wenn jedermann verstanden hat, dass der Mensch die Hauptsache ist, seine Hautfarbe, Religion und Herkunft aber Nebensache.“

Der Anlass für die Demonstration, der Brandanschlag in Altena, ging ein in eine dringliche Nachfrage: „Was der Bauer nicht kennt – das brennt?!“ In der Kundgebung folgte ein Rückblick auf den Anschlag und ein Bekenntnis zur internationalen Solidarität: „Flüchtlinge sind willkommen hier in Altena und im gesamten Märkischen Kreis.“ Dem zündelnden Feuerwehrmann galt ein dringender Appell, sich doch einmal in seine traumatisierten Opfer hineinzuversetzen: „Am 3. Oktober geschah in Altena eine für unsere Region bis zu diesem Zeitpunkt für unmöglich gehaltene Schandtat“, hieß es in der Erklärung des „Bündnis gegen Rechts“: „Dieser Brandstifter ist einer von vielen Rassisten in unserem Land, die ihre menschenverachtende Ideologie in Aktionen und Terror umsetzen.“

Kritik gab es auch für das ungeistige Umfeld, in dem solche Taten denkbar werden: „Viele Rassisten in unserem Land kommentieren seine Tat wohlwollend und klatschen mal heimlich, mal öffentlich Beifall!“

Zweites beherrschendes Thema der Demonstration war der Terroranschlag vom 10. Oktober in Ankara, bei dem mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen waren. Dabei war der „Diktator Erdogan“ die Hauptzielscheibe des Protestes. Viele Teilnehmer des Demonstrationszuges sahen bei ihm eine Mitverantwortung für den mörderischen Anschlag. Zwischenfälle gab es bei der von der Polizei mit relativ wenig Personal gesicherten Demonstration keine. Organisator Michael Thomas-Lienkämper, der zu Beginn zu Gewaltlosigkeit aufgerufen hatte, dankte den etwa 200 Teilnehmern für die „friedliche“ Demonstration und rief zu einer Fortsetzung des Protestes auf: „Ich hoffe, dass das nicht das Ende ist.“

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