Altenaer Brandanschlag findet großes Echo in nationalen Medien

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Altena/Lüdenscheid - Der Brandanschlag auf ein von Flüchtlingen bewohntes Haus in Altena und dessen juristische Aufarbeitung schlagen hohe Wellen. Zahlreiche überregional erscheinende Zeitungen beschäftigen sich mit dem Thema. Seit Tagen berichtet beispielsweise die „Süddeutsche Zeitung“. Sie hat die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, den 25-jährigen Haupttäter aus Altena nicht in Untersuchungshaft zu nehmen, mittlerweile in einem Kommentar deutlich kritisiert.

„Spiegel online“ geht ausführlich darauf ein, dass den beiden Tätern kein Mordversuch vorgeworfen wird. Die Redaktion schreibt aber: „Paragraf 46 des Strafgesetzbuchs besagt allerdings, dass bei der Zumessung der Strafe (auch wenn es sich nicht um einen Mordversuch handelt, die Red.), ‘besonders auch rassistische, fremdenfeindliche oder sonstige menschenverachtende’ Ziele berücksichtigt werden.“ Ein fremdenfeindlicher Hintergrund könne in Altena wohl kaum bestritten werden.

Dazu zitiert die „Rheinischen Post“ (Düsseldorf) Staatsanwalt Bernd Maas: Er sei „falsch interpretiert worden“, habe Maas klargestellt. Was er habe sagen wollen: „Die Täter gehören keiner rechtsradikalen Gruppe an. Aber: Sie hatten zweifelsfrei ein fremdenfeindliches Motiv, das ist rechtsradikales Gedankengut.“

Kritik der Grünen-Spitze

Weitere Medien wie der Berliner „Tagesspiegel“, die Hamburger „Morgenpost“, „focus.de“, die Berliner „tageszeitung“, „stern.de“ und die Münchner „Abendzeitung“ bis hin zur „Washington Post“ beziehen sich in ihrer Berichterstattung im Wesentlichen auf Aussagen der Polizei und der Staatsanwaltschaft, erwähnen aber auch die Kritik aus Teilen der Bundespolitik.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour hatte, wie berichtet, empört auf die Entscheidung reagiert: „Wenn die Staatsanwaltschaft solche Taten verharmlost, dann findet sich bald für jede Schandtat irgendwie eine ‘Erklärung’“, sagte der Politiker. Auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, hatte sich „empört“ über die Entscheidung der Staatsanwaltschaft gezeigt, keinen Haftbefehl zu beantragen.

„Andere nehmen die Täter in Haft“

„Bild“ schreibt: „Andere Staatsanwaltschaften ermitteln bei solchen Taten üblicherweise wegen versuchten Mordes, nehmen die Täter in U-Haft, wenn sie den Tod ihrer arglosen Opfer billigend in Kauf nehmen.“

Und „stern.de“ meint: „Dabei kommt sogar erschwerend hinzu, dass der ältere der beiden mutmaßlichen Brandstifter Feuerwehrmann ist. Nach Polizeiangaben hatten die Täter in der Nacht zum 3. Oktober ein Telefonkabel auf der Rückseite des Hauses gekappt, damit der Brand nicht an die Feuerwehr gemeldet werden konnte.“

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