Leere Flächen kosten auch

Auch hier muss die ABG für den Winterdienst sorgen – in strengen Wintern ist das ein echter Kostenfaktor.  Foto: Bender

Altena - Dutzende von Häusern hat die Altenaer Baugesellschaft (ABG) in den vergangenen Jahren abreißen lassen, um ihre Leerstände zu reduzieren. Das hat trotz öffentlicher Förderung viel Geld gekostet. Dass das Unternehmen auch mit einem Abbruch nicht aller finanzieller Sorgen ledig ist, bringt der Winter an den Tag.

Hegenscheider Weg, Höhe Einmündung Feldstraße: Bis vor zwei, drei Jahren standen dort Mehrfamilienhäuser. Die sind jetzt weg – und trotzdem ist der Gehweg akkurat vom Schnee befreit. Das besorgt der Hausmeisterservice Tigges für 50 Cent pro Einsatz und Meter. „Da kommt in strengen Wintern ganz schön was zusammen“, weiß Rudolf Reifenberg, der bei der ABG für das Rechnungswesen zuständig ist. Fünfstellig seien inzwischen insgesamt die Kosten, die das Unternehmen Jahr für Jahr für die einst bebauten Grundstücke aufbringen muss. „Bei normal großen Flächen sind 500 Euro im Jahr eine realistische Größe“, berichtet er.

Neben dem Winterdienst auf den Gehwegen fallen weiterhin Straßenreinigungsgebühren an, außerdem lässt die ABG die Flächen zweimal im Jahr mähen. Das kostet jedes Mal 86 Cent pro Quadratmeter – Schafe sind billiger und sollen deshalb vermehrt eingesetzt werden. Den dicksten Batzen macht allerdings die Grundsteuer aus. Zwar wird nach jedem Abbruch der Einheitswert neu festgelegt, die Steuerlast reduziert sich dadurch. Trotzdem könnten dann für eine größere Fläche von mehreren Abbruchhäusern „schnell mal mehrere hundert Euro zusammenkommen“, weiß Reifenberg.

Das liegt auch daran, dass die ABG darauf verzichtet, die Flächen zu Grünland umzuwidmen, auch wenn sie sie vereinzelt zu Streuobstwiesen umfunktionieren will. Dann fiele nur die wesentlich geringere Grundsteuer A an. „Wir wollen aber in vielen Fällen versuchen, die Flächen zu vermarkten“, erklärt Vorstand Joachim Effertz. Das gelingt allerdings recht selten – zwei Grundstücke hat das Unternehmen im Laufe der vergangenen Jahre am Meisenweg verkaufen können. Das war’s dann aber trotz gelegentlicher Anfragen auch.

Trotz der Kosten, die die leerstehenden Grundstücke verursachen, bleibt die ABG bei ihrem Kurs und wird auch in diesem Jahr wieder einige Häuser am Breitenhagen abreißen lassen. „Leerstand im Wohnungsbestand ist nämlich sehr viel teurer“, weiß Reifenberg. Denn: Für jede leerstehende Wohnung zahlt die ABG die Nebenkosten selbst – und das bedeutet vielfach auch, dass sie sich an den Wasserkosten beteiligen muss. Die Wasserrechnung wird bei der Mehrzahl der Häuser nämlich nach Quadratmetern umgelegt. Wenn in einem Sechsfamilienhaus drei Wohnungen leer stehen, dann zahlt die Baugesellschaft die Hälfte der Kosten für Wasser und Kanalgebühr.

Apropos Wasser und Kanal: „Marc Bunse hat gar nichts davon, wenn wir ein Haus abreißen lassen“, sagt Effertz. „Wir perforieren den Bestand ja sozusagen, indem wir Gebäude aus dem gewachsenen Bestand herausnehmen“. Infrastrukturkosten könnten aber nur dann eingespart werden, wenn man an den „Rändern“ flächendeckend abreißen lasse. Wenn beispielsweise sämtliche Häuser an der Elsa-Brandström-Straße weggenommen würden, dann könnte diese Straße ebenso stillgelegt werden wie die in ihr verlaufenden Versorgungsleitungen. Das sei aber rein hypothetisch, sagt Effertz – oft gebe es ja auch noch private Eigentümer, die in ihren Häusern bleiben wollen und die dann natürlich auch Straße, Strom und Wasser brauchen.

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