„Fehlender Frost ist das Problem“

Förster Christof Schäfer sieht Vor- und Nachteile in den milden Temperaturen. Parasiten erschweren den Rehen zurzeit ihren Aufenthalt im Wald. Viele Frischlinge werden den Winter ohne Schnee gut überleben und auch die Nahrungssuche der Wildtiere gestaltet sich gut.

Altena - Weiße Weihnachten gab es schon lange nicht mehr im Sauerland. Doch Temperaturen bis zu 15 Grad sind selbst gegen Ende des Jahres überraschend. Auch die Pflanzenwelt erinnert eher an den Frühling als an den Winter: Narzissen blühen, Haselbäume schlagen aus und auch die Rosen entfalten ihre Pracht. Aber welche Auswirkungen hat der wärmste Dezember aller Zeiten – so der Deutsche Wetterdienst (DWD) – auf die Tierwelt?

„Nicht der Schnee, sondern der fehlende Frost ist das Problem“, weiß Imker Matthias Rentrop. Im Winter kommen die 7000 bis 8000 Bienen als Traube zusammen. „Sie simulieren das Fliegen und erzeugen so ausreichend Körperwärme“, erklärt der Altenaer Imker. In dieser „brutlosen Phase“ benötigen sie eine Körperwärme von knapp über 20 Grad – während der Brut sind es 35 bis 38 Grad. „Vermutlich wird es noch einen richtigen Winter geben“, dann würde sich der Aufenthalt für die Bienen in der Traube verlängern. Die Vorräte, die sie im Sommer in den Waben angesammelt haben, könnten knapp werden. „Ich bin einer der Imker, der viel drin lässt“, so Rentrop. Andere Imker leerten die Kästen bis auf den letzten Tropfen Honig. Man müsse dann mit Zuckerwasser oder ähnlichem nachfüttern, was aber nicht unproblematisch sei.

„Ich habe keine großen Sorgen, aber man muss die Bienen natürlich beobachten“, sagt Rentrop. Sie seien es ja eigentlich seit Millionen von Jahren gewohnt, sich an die natürlichen Gegebenheiten anzupassen.

„Die Blütenpracht wird den Bienen fehlen“, so Rentrop. Im Frühjahr werden daher diese Pollen fehlen. Die Bienenbevölkerung entwickele sich dann langsamer. Recht schnell steigere sich die Zahl der summenden Insekten auf 50 000 bis 60 000, doch das werde im kommenden Frühjahr wahrscheinlich nicht so sein. Die Ernte des Honigs falle dann dementsprechend auch geringer aus.

„Es kann sein, dass die Tiere, die Winterruhe halten, häufiger aufwachen“, vermutet Förster Christof Schäfer. Dann verbrauchen sie aber mehr Energie. Tiere im Winterschlaf würden trotz der Temperaturen weiterschlafen. „In Kürze werden die Wildschweine ihre Frischlinge bekommen. Wenn es nicht schneit, werden viele von ihnen überleben.“, erklärt er. Der Schwarzwildbestand werde anwachsen. „Die Landwirte werden allerdings wahrscheinlich schimpfen.“

Durch den bisher milden Winter gestalte sich die Nahrungssuche der Waldtiere gut. Doch es gebe Probleme mit Parasiten. Zecken und Hirschläuse könnten die Rehe befallen und ihnen somit alles im Winteralltag erschweren. „Mein Hund hatte seine letzte Zecke im November“, weiß Christof Schäfer. Das sei nicht normal. „Ich denke, Ende Januar und im Februar wird der Schnee kommen“, mutmaßt der Förster. Für die Rinder von Carsten Geßler vom Milchviehbetrieb auf dem Kleinendrescheid hat der milde Winter keine Auswirkungen. „Die Weidezeit ist von Anfang Mai bis Ende Oktober, dann kommen die Tiere in den Stall.“ Es spiele daher keine Rolle, ob es schneit oder nicht.

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