Sonntag Festhochamt für Heinz-Georg Voß

Mehr als 30 Jahre Dienst als Diakon

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Diakon Heinz-Georg Voß.

Den Mann, der stets ein schlichtes braunes Holzkreuz an einer langen schwarzen Lederschnur um den Hals trägt, kennt (fast) jeder in Altena. Sonntag wird Heinz-Georg Voß, ein Altenaer Junge, offiziell als Diakon der katholischen Kirche, in einem Festhochamt in St. Theresia, Evingsen (Beginn 11 Uhr), in den (Un)-Ruhestand verabschiedet.

Unruhe-Stand deshalb, weil der gesundheitlich stark eingeschränkte 63-Jährige „weiterhin in Absprache mit Pfarrer Ulrich Schmalenbach, St. Matthäus, Aufgaben in der Gemeinde wahrnehmen wird“, wie er selbst sagt. Kein geringerer als der erste Ruhrbischof von Essen, Franz Kardinal Hengsbach, weihte Voß zum Ständigen Diakon. Das war 1984. 

Vorher in der Industrie tätig

„Ich war damals der jüngste Diakon im gesamten Bistum Essen“ erinnert er sich. Bis heute – und die Augen des Spätberufenen, der bis zu seiner theologischen Ausbildung in Köln und Würzburg als Kaufmann in der Industrie arbeitete – blitzen, „habe ich nicht einen Augenblick gesagt, du machst nicht weiter!“ Welch’ eine Aussage! 

Wer Heinz-Georg Voß näher kennt, ihm zuhört oder mit ihm arbeitet, weiß, dass er eines ist: Grundehrlich, fleißig und ein Mann des offenen und vielleicht auch manchmal sehr direkten Wortes. „Sicher, ich habe mich oft geärgert. Vielleicht Menschen verletzt oder wurde missverstanden. Aber Diakon zu sein, das war mein Weg.“ 

Familie sehr gläubig

Voß hat drei Geschwister, eine Schwester gehört in diesen Tagen dem Orden der Vinzentinerinnen bereits mehr als 50 Jahre an. Auch der in Altena lebende Bruder ist in der Gemeindearbeit eingebunden, engagiert sich. Eine Nichte, Heinz-Georg Voß faltet die Hände und blickt offen nach vorn, „meine Nichte strebt an, evangelische Pfarrerin zu werden. Ihr reicht es nicht, zum Beispiel nur als Gemeindereferentin zu arbeiten.“ 

Kommentieren tut Voß das nicht besonders, aber er unterstreicht sofort, wie wichtig ihm die Verständigung mit anderen Religionen, speziell die Ökumene ist. „Das war und ist mir ein Herzensanliegen. Ich habe mit allen evangelischen Christen und den Theologen am Ort sehr gut zusammen gearbeitet in all den Jahren.“ 

Maßgeblich geprägt wurde er nach eigener Aussage bereits in der Jugend von seinem Heimatpfarrer Wilhelm Bolte hier in Altena. Warum er letzten Endes nicht selbst Priester geworden ist, „daran habe ich eigentlich nie wirklich gedacht“, sagt er. Und schiebt eine Anekdote nach, die so typisch bodenständig und urwestfälisch ist für den Altenaer. 

Wollte nie "wirklich missionieren"

Als Kind habe er schon mal eine Messe zelebriert – „so ein kindliches Ding halt, vor der Frisierkommode der Mama im elterlichen Schlafzimmer...“ Voß hat noch erlebt, dass in Altena allein fünf geweihte Priester in den verschiedenen katholischen Kirchen am Ort tätig waren – heute ist nur noch Ulrich Schmalenbach als einziger mit Vollzeit-Pfarrerstelle da. Dennoch habe er nie „wirklich missionieren“ wollen. 

Als ihm bei der amtlichen Einführung der damalige Prälat in Essen gesagt habe, ,Herr Voß, nun haben sie das erreicht, was sie wollten’, habe er gesagt: Ich wurde in die Kirche gerufen – und das empfinde er auch heute noch so. Bis dato habe er sich nicht einmal um sein Gehalt Gedanken gemacht. 

Kein Mann des Klagens

Die Gesundheit macht Heinz-Georg Voß heute große Probleme. Er hofft, sie in den Griff zu kriegen. Denn: „Mit meiner Familie möchte ich im kommenden Jahr wieder in die Normandie nach Frankreich fahren. Darauf freue ich mich.“ Er sei kein Mann des Klagens. „Zu viele klagen mir auf sehr hohem Niveau“, sagt er wieder so einen Satz, den jeder interpretieren und auf sich münzen kann, wenn er mag. 

Heinz-Georg Voß hofft, das viele Christen aller Konfessionen ihm - mehr aber noch Jesus Christus - Sonntag um 11 Uhr im Festhochamt in der St. Theresia-Kirche die Ehre geben. Der heiligen Messe schließt sich ein Sektempfang an. „Weder zum Festhochamt noch zum Empfang gibt es Einladungen. Wichtig ist mir noch, dass keine großen Reden gehalten werden.“ Ihm sei wichtig, Gott zu danken für mehr als 30 Jahre Dienst als Diakon. Das geschieht Sonntag dort, wo der Mittelpunkt des Voßschen Wirkens, war: Am Altar, in der Kirche.

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