Männer-Mangel in den Lehrerzimmern - Frank Loska hat Spaß am Unterrichten

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Frank Loska ist einer von wenigen männlichen Grundschullehrern in der Stadt.

Altena -  22 Jahre ist Frank Loska jetzt im Beruf. Mehr als zwei Jahrzehnte unterrichtet der Grundschullehrer Mädchen und Jungen in praktisch allen Fächern.

Studiert hat er einmal Deutsch und Mathematik sowie Sport. Das ist lange her. Doch noch heute, mit 52 Jahren durchaus „gereift“, sagt Loska: „Ich habe Spaß am Beruf, ich würde wieder Lehrer werden.“ Damit steht der Familienvater aktuell recht allein. Wie ein Blick in die Statistik zeigt, hat sich der Lehrermangel in den nordrhein-westfälischen Lehrerzimmern dramatisch verschärft. An praktisch allen Schulformen sind Lehrerinnen in der Mehrzahl. Inzwischen ist nur noch etwa jede vierte Lehrkraft ein Mann. Dieser „Abbau“ vollzieht sich kontinuierlich seit zehn Jahren. Denn in dieser Zeit sank die Männerquote um fünf Prozent auf heute etwa 28 Prozent. Grundschulen trifft es besonders. 

Altena steht mit einem aktuellen Männeranteil von 15,8 Prozent an Grundschulen sogar noch gut da. Kreisweit sind es nur noch zehn Prozent Pädagogen, in Balve im Nordkreis, sogar nur noch 7,7 Prozent Lehrer, die vor einer Grundschulklasse stehen. Frank Loska kennt die Zahlen, aber das ficht ihn nicht an. Der Beruf sei ihm quasi in die Wiege gelegt, erzählt er. Vater Gymnasiallehrer, Mutter Grundschul- und Schwester Hauptschullehrerin. „Da lag es auch für mich nahe, den Lehrerberuf zu ergreifen.“ Weil er in seiner Jugend als Sporttrainer (Tischtennis) in Hagen gearbeitet habe, sei ihm früh bewusst geworden, „du kannst gut mit Kindern arbeiten. Das hat mich dann bewogen, das Lehramtsstudium aufzunehmen.“ Wichtig ist dem 52-Jährigen, „viel gemeinsam mit der Klasse zu lachen – nicht über Kinder – immer gemeinsam mit ihnen“, sagt er noch einmal. 

Grundschullehrer legen Grundstein für spätere Berufswahl

Es sei faszinierend zu erleben, wie aus Kindergarten-Kindern kleine Persönlichkeiten heranwüchsen. Und, ja, er gehe soweit, auch ein Grundschullehrer lege schon den Grundstein für die spätere Berufswahl. „Alle haben einen guten Start verdient. Daran arbeite ich mit den Kollegen. Wir legen die Basis.“ Natürlich gab und gibt es Image-Probleme mit seinem Beruf. „Aber, das stört mich nicht. Schulkollegen, die andere Berufe ergriffen haben, verdienen sicherlich mehr. Aber die Sprüche ‘bis Mittag arbeiten und dann frei haben’ oder ‘mit deinem Ferienkontintent möchte ich tauschen, sonst aber nicht’, kann ich leben.“ Gewerkschafter führen die Dominanz an Frauen in den Grundschulen vor allem auf die vergleichsweise schlechte Bezahlung zurück. 

Obwohl alle Lehrer inzwischen die gleich lange Ausbildung absolvieren, werden Pädagogen im Primarbereich schlechter bezahlt, beim Berufsstart in die Gehaltsklasse A 12 statt A 13 wie zum Beispiel Sekundarschule-2-Lehrer eingestuft. „Wir haben immerhin auch zwei Diplome, wenn man die Staatsexamina so wertet“, sagt Loska. Der gebürtige Hagener hat viele Veränderungen in seinem Lehrerdasein erlebt „und viele werden noch kommen. Ich kann nur sagen: Es ist jeden Tag spannend und es macht mir jeden Tag aufs Neue Spaß“. Gibt es einen Rat an Einsteiger? Loska hält die neuen Pflicht-Praktika für Lehrer „für eine gute Sache. Probiert es aus und stellt euch immer wieder die Frage: ,Bin ich geeignet, vorne vor einer Klasse zu stehen?’“ 

"Mir ist das Unterrichten wichtig"

Warum er mit 52 Jahren noch nicht Rektor oder zumindest Konrektor ist, wo die NRW-weit landauf und -ab händeringend gesucht werden, lässt er teils unbeantwortet. „Mir ist das Unterrichten wichtig. Das mit den Kindern arbeiten. Als Rektor hat man fast nur noch Bürokratie zu bewältigen und nur noch wenige Stunden Unterricht.“ Das Land NRW lässt sich die Leistung seiner Grundschul-Rektoren und ihrer Stellvertreter im übrigen auch nicht wirklich etwas kosten. Schulleiter erhalten ein Plus von etwa 250/Euro im Monat, Konrektoren nur etwa 50 Euro/Monat Gehaltszulage. Das ist vermutlich auch kein wirklicher Anreiz, auch wenn Loska dazu schweigt. Die Arbeit mit den Eltern ist dem Pädagogen von der Grundschule Altena, Standort Mühlendorf, „wichtig.“ 

Er hat auch die Erfahrung gemacht, „dass sich nicht wirklich viel geändert hat in all den Jahren. Miteinander reden, das ist wichtig und zielführend zum Wohle des Kindes.“ Leidet der Bildungs- und Erziehungsauftrag nach Ansicht von Loska unter der hohen Frauenquote? Gewerkschafter verneinen das stets. Frank Loska: „Ich meine, es ist durchaus von Vorteil, wenn Schüler auch männliche Rollenvorbilder für eine emotional stabile Persönlichkeitsentwicklung kennen lernen. Ich lebe das jedenfalls so und bin bis jetzt gut damit gefahren.“

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