Lutherkirche: Restauratoren am Werk

Syrischer Handwerker hilft, Ausmalungen zu sanieren

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Rolf Frank Römhild mit dem syrischen Flüchtling Karek Hajuz aus Damaskus, der ein exzellenter Kirchenmaler ist.

Altena - Restaurator Rolf Frank Römhild aus Olpe kennt die Lutherkirche gut. Der Experte stellt zurzeit mit weiteren Mitarbeitern, die aufwändigen Ranken, figürlichen Darstellungen und Ausmalungen in der Kirche wieder her. Zur Hand geht ihm dabei ein junger Mann aus Syrien.

Ein prüfender Blick, ein kurzes Nicken und Rolf Frank Römhild geht wieder zehn, 15 Meter über das überall mit weißem Sichtschutz abgedeckte Gerüst zu seiner eigenen Säule. Der Kirchenmalermeister und Restaurator aus der Olper Fachwerkstatt Rademacher ist zurzeit mit einem Team dabei, die vom Brand geschädigten Decken-Ausmalungen der Lutherkirche wieder herzustellen. Die Pinselführung von Karek Hajuz hat er gerade in Augenschein genommen.

Pinselführung ist exzellent

Ranken und florale Motive zieren Gewölbe und Decke. Im Bild ein sehr brandgeschädigtes Motiv.

 „Das ganze ist keine leichte Aufgabe“, sagt der fast 50-Jährige“. Doch ist ihm der ungewöhnliche Arbeitsplatz hoch unter dem Gewölbe, wohl 12 Meter über dem Kirchenboden, auf stets nachschwingenden Gerüstbohlen aus Metall, „auch nicht fremd.“ Bereits 2007 habe seine Firma an der Sanierung der Lutherkirche mitgewirkt. Ein kurzer Klick auf der Homepage von Rademacher belegt das.

Dort ist das Gotteshaus aus Altena eine von vielen Referenzen, auf die Römhild verweisen kann. Die Kirche selbst sei ganz und gar besonders, kommt der Fachmann ins Schwärmen. Es seien insbesondere die einst von Professor Thol in der NS-Zeit gemalten Ranken, Engelfiguren und naturalistischen Darstellungen, die die Kirche weit über die Region hinaus abheben würden. Sei es schon ungewöhnlich gewesen, dass das NS-Regie 1939 einer Kirchenausmalung zugestimmt habe, sei die Lutherkirche auch von Bomben im Krieg verschont geblieben.

Lutherkirche: Kirchenmalermeister rekonstruiert Brandschäden

Von Bomben verschont

Und jetzt das – ein vorsätzlich gelegter Brand. Dessen Spuren an Decke und Wänden rückt er mit Hilfe von Restauratorin Marion Rausch, Karek Hajuz und speziell angemischten Leimfarben „auf den Pelz.“ Besonders der Einsatz von Hajuz sticht dabei hervor. Römhild lernte den syrischen Flüchtling, der erst im August des vergangenen Jahres nach Deutschland kam, eher zufällig kennen. Als er dann erfuhr, dass der vierfache Familienvater, dessen Frau und Kinder noch im Kriegsgebiet sind, ein ausgebildeter Restaurator ist, gab er ihm eine Chance. Jetzt sitzt der Mann, der immer noch nur gebrochen Deutsch spricht, auf dem Boden des Gerüstes und retuschiert, so heißt der Fachausdruck, nach Vorgabe des Kirchenmalermeisters, Ranken sowie sonstige Deckenverzierungen.

Die richtige Leimfarbe macht es aus

Engeldarstellung im Gewölbe: Das Bild wurde nach einer Fotografie rekonstruiert.

Die richtige Farbe zu treffen, sei eine Herausforderung, erläutert Marion Rausch. Sie werde Tag für Tag speziell angemischt und sei die Grundvoraussetzung für ein Gelingen der Wiederherstellung der Lutherkirchenausschmückung. Rademacher steht seit vielen Jahrzehnten für eine Aufarbeitung und Rekonstruktion von Kirchenmalereien. „Dabei ist immer Sorgfalt gefragt, keine Eile“, sagt Römhild. 2007 hat seine Firma mehr als 9 Monate benötigt und auch jetzt gibt es für ihn keinen Zeitdruck. Abgestimmt wird im übrigen alles mit dem Landesdenkmalamt.

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