Erstes umfassendes Schützenfest-Buch

Schützenfest,woll! von Michael Martin. Ab sofort bei Katerlöh und Lechtenbrink.

Altena - Die Kölner rufen Alaaf, die Düsseldorfer Helau, die Hamburger Hummelhummel und die Schützen in Altena ein dreifaches „Pott Jost!“ Von wegen „Horrido!“ – am richtigen Gruß erkennt man, ob der Grüßende dazugehört oder „woanderswech kommt.“

Brauchtumsgerechtes Grüßen ist aber eher eine Randnotiz im neuen Michael Martin Buch: „Schützenfest, woll!“, das ab dieser Woche in der Buchhandlung Katerlöh und bei Möbel Lechtenbrink in Dahle für 24,90 Euro erhältlich ist.

Pünktlich zum Beginn der Schützenfestsaison 2015 ist das erste und wirklich umfassende Buch über das Sauerländer Schützenfestwesen auf dem Markt. Und Altena ist mittendrein. Gleich vier Mal wird das „Fest der Feste“ an der Lenne vom richtigen Grüßen, über die Mützentaufe, den Kult um die Mütze selbst und die Schützenfarbe Grün mit dem so beliebten Birkenschlagen auf je zwei Seiten beleuchtet. Ina Hornemann – Freie Mitarbeiterin unserer Zeitung – hat etwa Uli Weispfennig befragt und stellt seine Familientradition „Seit elf Generationen Schütze“ anhand der Schützenmützentradition vor. Durchaus spaßig zu lesen, der Ausflug in die Weispfennigsche Familienchronik, als UrUrUrUrUrahn Peter anno 1701 gerügt wurde, „weil er die Arme auf den Tisch gelegt hatte“ und so einem anderen Schützen den Platz im Festzelte wegnahm. Oder Johan Adolf 1782 „widerrechtlich tabakrauchend am Ratstisch saß“ beziehungsweise Johann Peter anno 1748 dem „Wein unordentlich gesetzet hatte“. Da passt der Michael Martin-Satz aus dem durchweg hervorragend bebilderten, 264-Werk wie die Faust aufs Auge: „Sich mit Anstand besaufen! oder auch ,betrinken’. Das Trinken – und auch mal ein Glas mehr als gewöhnlich – gehört zum Schützenfest dazu.“ Unter „Alle Mann: Ran!“ kommt schließlich auch Jens Anlauf zu Wort. Er erklärt Nicht-Schützen anschaulich und humorvoll, warum Grün die Schützenfarbe schlechthin ist und eben nicht Rot wie die Liebe zur Heimat, blau wie der Himmel über dem Schützenadler oder Goldgelb wie der Gerstensaft. Apropos die Kehle befeuchten: Leser sollten auf keinen Fall die Doppelseite über das Altenaer Mützenbier auslassen, diesem feucht-fröhlichen „Sauerländer Initiationsritual der besonderen Art.“

Gastautoren wie Anschütz und viele andere von Warstein bis Balve, von Belecke bis Brilon oder Olpe bis Altena, widmen sich noch Fragen wie wer macht die Uniformen, die Kleider, die Orden, die Fahnen? Wie ist das Schützenwesen entstanden? Was hat die Kirche damit zu tun? Oder wieso steht manchmal der König schon vor dem Schießen fest?

Michael Martin ist in mehr als einem Jahr nach eigener Aussage „etlichen Schützenvereinen und Bruderschaften monatelang auf den Zeiger gegangen“, um Antworten zu finden, hat Königen und Schützen „Löcher in den Bauch gefragt“ und „sich sogar beim Pastor auf dem Schoß“ gesetzt. Wer „Schützenfest, woll!“ liest, möchte aufstehen und mitfeiern gehen! In Altena schon bald – vom 3. bis 7. Juni. Auch der Autor hat seinen Besuch angekündigt. - Von Johannes Bonnekoh

Michael Martin – „Schützenfest, woll“; 264 Seiten, Hardcover, 24,90 Euro, ISBN: 978-3-943681-52-9. Woll-Verlag, Schmallenberg – bei Katerlöh und Lechtenbrink

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