36-jähriger Altenaer darf wieder fahren

Altena -In fünf Jahren darf ein 36-jähriger Triebfahrzeugführer aus Altena doch wieder Auto fahren: Eine Berufungskammer des Landgerichts änderte am Freitag das Urteil des Amtsgerichts Altena ab, das gegen ihn Ende August eine lebenslange Sperre für die Neuerteilung der Fahrerlaubnis verhängt hatte. Das Urteil ist rechtskräftig.

Es war eine bizarre Situation: ICE oder schwere Güterzuglokomotiven darf der Altenaer seit dem erfolgreichen Abschluss seiner Ausbildung zum Triebfahrzeugführer selbständig über das Schienennetz der Bahn steuern – am Steuer eines Autos sollte er sich aber lebenslang nicht erwischen lassen. Es war die wirklich imposante Liste seiner Vorstrafen – darunter viele Fahrten ohne Fahrerlaubnis-, die Richter Dirk Reckschmidt zur Verhängung des „lebenslänglich“ veranlasst hatte. „Ich kann verstehen, dass in der ersten Instanz eine lebenslängliche Sperre ausgesprochen worden ist“, leitete die Staatsanwältin im Landgericht ihr Plädoyer ein. Und sprach sich dennoch für eine Abänderung der verhängten Sperrfrist auf fünf Jahre aus. Dass die 7. kleine Strafkammer diesem Antrag entsprach, begründete der Vorsitzende Richter Wilhelm Kaiser vor allem mit dem Motiv für die Fahrt: Als sich der Angeklagte noch unter dem Eindruck der letzten Gerichtsverhandlung am 5. Juni ans Steuer seines Autos setzte mit dem Ziel Hagen, wollte er dort einen Zug nach Köln besteigen, wo um 20 Uhr seine Arbeit begann. Die Autofahrt endete jedoch bereits in Nachrodt. Es gab also ein nachvollziehbares Tatmotiv, wenn auch keine Rechtfertigung, wie Richter Kaiser betonte. Außerdem sei die Fahrt folgenlos geblieben – niemand kam zu Schaden. Trotz großer Probleme habe sich der Angeklagte „mit Erfolg um die Fortsetzung seines Arbeitsverhältnisses“ bemüht.

Das war aus der Haft, die den Kern des ursprünglichen Urteils ausgemacht hatte, gar nicht so einfach: Um in der Nähe seines Dienstortes Köln zu sein, wurde der Altenaer aus dem offenen Vollzug in Attendorn nach Remscheid verlegt, von wo er noch bis Februar zum Einsatzort fahren wird. Anschließend kann der 36-Jährige seinen Einsatzort Hagen von Altena aus mit dem Zug erreichen.

Er wundere sich mittlerweile selber über seine üppig gefüllte Vorstrafenliste, bekannte der 36-Jährige nach der Entscheidung vor dem Gerichtssaal. Die Freundin an seiner Seite und seine Beharrlichkeit bei der Erreichung seines Berufsziels machten deutlich, dass sich in seinem Leben vieles zum Besseren gewendet hatte. „Man wundert sich, wenn man ihm persönlich begegnet“, bemerkte Rechtsanwalt Michael Babilon. „In 30 Jahren habe ich so etwas überhaupt noch nicht erlebt.“

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