Mülltrennung fällt Flüchtlingen noch schwer

Altena - 102 zusätzliche Flüchtlinge leben seit knapp drei Monaten in der Stadt. Wie kommen Sie mit ihrem Alltag zu Recht, was bedrückt, was ärgert sie, was gibt andererseits Anlass zu Kritik? Es seien im großen und ganzen nur die typischen Alltagsprobleme, die den Flüchtlingen zu schaffen machten. „Tausend Kleinigkeiten“, so Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein.

Müll zu trennen, zwar ständig über warmes Wasser zu verfügen, aber doch die Kosten zu bedenken, die das Aufdrehen des Hahnes verursacht. Und natürlich die Wege in die Stadt einzurechnen. – Das alles müsse jeder erst noch lernen. „Die meisten Beschwerden bei uns im Rathaus gab es wegen einer falschen Mülltrennung“, sagt Anette Wesemann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Altena. „Das ärgert mich.“ Anstatt sich zu beschweren, sollten die Nachbarn die Neubürger besser anleiten, wie man es richtig macht. Nur so werde es langfristig besser. Die Abfallentsorgung sei nun einmal ein kompliziertes System. „Selbst mancher Bürger beherrscht die Mülltrennung heute noch nicht.“ Größere Probleme oder Auffälligkeiten seien ihr ansonsten nicht bekannt.

Eher ein Fall zum Nachdenken: „Ein Flüchtling stellte einen aufgedrehten Wasserhahn aus unbekanntem Grund nicht ab. Er musste erst lernen, dass bei uns Wasser zwar immer verfügbar ist – ob kalt oder warm – aber Gebühren kostet“, sagt Anette Wesemann.

Auch die rund 35 Kümmerer spielen für die Stadt eine große Rolle. Durch sie können Probleme schneller behoben werden, so Dr. Hollstein. „Ihnen allen gilt ein großer Dank!“ „Bisher hat noch keiner das Handtuch geworfen“, lacht Anette Wesemann. Aber es habe einige der ehrenamtlichen Helfer gegeben, die „die Bremse ziehen mussten“. Für manche Neuankömmlinge sei beispielsweise der Weg in die Stadt zu weit gewesen, sodass Kümmerer als „Taxifahrer“ herhalten mussten. Die Beziehungen zwischen Kümmerern und den Familien, die sie betreuen, seien zum Teil eng. Aber es gebe auch weniger freundschaftliche Betreuungen. „Manche Flüchtlinge möchten auch gar keine Unterstützung“, weiß Anette Wesemann. „Wer den weiten Weg aus Syrien kommt, wird sich wohl auch in Altena zurecht finden.“

Am Anfang gab es eine gewisse Reserviertheit in einigen Nachbarschaften. „Jetzt ist alles absolut ruhig“, sagt der Bürgermeister. Er habe keine einzige Beschwerde auf seinem Tisch liegen. Ein Sprachkurs für Mütter mit Kindern sei zuletzt Thema gewesen. „Nach der langen Flucht wollen sich viele Frauen nicht von ihren Kindern trennen“, sagt Dr. Andreas Hollstein. Das sei auch verständlich. Daher habe das Stellwerk ehrenamtliche Deutschkurse mit einer Kinderbetreuung organisiert.

Als nächstes stehe der Sektor „Arbeitsgelegenheiten schaffen“ auf dem Plan. Das Berufsbild der Flüchtlinge sei „kunterbunt“. Man müsse erst einmal schauen, welche Berufe erlernt wurden, und sich einen Überblick schaffen. Wie viele der 102 Flüchtlinge inzwischen eine Aufenthaltsgenehmigung haben, konnte der Bürgermeister nicht sagen. Nach seinem Kenntnisstand seien es aber erst wenige.

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