Brandstiftung in Altena

Ein Kommentar: Ängste unter der Oberfläche

Altena - Zur Brandstiftung in Altena lesen Sie hier einen Kommentar von Susanne Fischer-Bolz.

Furcht ist nur ein anderer Name für die Unfähigkeit, die Entstehung von Gedanken zu beherrschen. Und so haben zwei Männer aus Angst vor Übergriffen, die möglicherweise von Asylbewerbern auf das Wohnumfeld hätten ausgehen können, das Feuer in einem Wohnhaus an der Brandstraße gelegt. Laut Staatsanwaltschaft Bernd Maas und Nikolaus-Felix Jonk, dem Leiter des Staatsschutzes, sind die Altenaer nicht rechtsradikal. Ist ihre Tat dennoch rassistisch? Ist es das vielzitierte Pack, das hier zugeschlagen hat? Nein. Viel zu einfach machen es sich die, die jetzt nur mit Hasstiraden reagieren.

Dass die Tat abscheulich ist und mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden muss, versteht sich von selbst. Aber dieses schreckliche Geschehen zeigt auch auf bitterste Weise, dass sich Menschen aufgrund des enormen Zustroms von Flüchtlingen und den daraus resultierenden Problemen allein gelassen fühlen, sich nicht zu helfen wissen, sogar wie in diesem Fall durchdrehen können.

Es gibt keinen schlechteren Ratgeber als die Angst, wie die Tat der jungen Altenaer zeigt, die mit einem Schlag ihr ganzes Leben ruiniert haben. Mitleid dafür ist fehl am Platz, wohl aber ist ein genaues Hinschauen auf die Ängste, die unter der Oberfläche schlummern, jetzt dringend erforderlich. Denn Deutschland besteht nicht nur aus Gutmenschen und Pack, aus Helfern und menschenverachtenden Idioten.

Was ist mit den 70/80 Prozent derer, die weder dem einen noch dem anderen „Lager“ zuzuordnen sind? Sie sorgen sich, dass sie, sollten sie auch nur vorsichtig Bedenken äußern, in irgendeiner Form dem rechten Spektrum zugeordnet werden. Oh Deutschland, deine Geschichte. Dein trauriges Erbe: Genau das führt dazu, dass nur hinter vorgehaltener Hand, hinter verschlossenen Türen offen gesprochen wird. Versuchen Menschen, öffentlich Fragen zu stellen, wie ein Mann – anständig – beim „Treffen der Kümmerer“ in Altena, werden sie ausgebuht. Und verlassen die Veranstaltung. Aber die Sorge im Herzen, die bleibt.

„Die Bevölkerung muss eine vernünftige Einstellung zu der aktuellen Situation um die Flüchtlinge in die Gesellschaft transportieren. Sonst wird noch viel mehr passieren“, sagt Staatsanwalt Bernd Maas. Recht hat er. Vernünftig muss auch der Umgang mit Kritik, mit Befürchtungen, mit berechtigten Fragen werden. Zum Wohle aller – für die, die zu uns kommen, aber auch für alle, die schon hier sind.

Rubriklistenbild: © Bender

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