Kolpingfamilie Evingsen beschäftigt sich mit Heiligsprechungen der Neuzeit

Selig, heilig, diskussionswürdig

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Heinz-Georg Voß ging auf Persönlichkeiten ein, die vor noch gar nicht langer Zeit heiliggesprochen wurden.

Altena -  Dietrich Bonhoeffer wäre bestimmt längst ein Heiliger, wenn er nicht als Protestant für seinen Glauben gestorben wäre. Davon ist Diakon Heinz-Georg Voß überzeugt. Er widmete sich am Freitag, 10. April, bei der Kolpingfamilie Evingsen Personen, die erst vor wenigen Jahren durch den Papst heilig gesprochen worden sind.

Es bedarf einiger Kriterien, um diesen Status zu bekommen.

An diesen reibt sich der Altenaer Geistliche aber nicht. „Offiziell bedarf es zwar eines Wunders, das es braucht, um heilig gesprochen zu werden. Für mich zählt, was der Mensch getan hat.“

Nachhaltig beeindruckt hatte Heinz-Georg Voß die Selig- und Heiligsprechung Maximilian Kolbes. Der polnischstämmige Franziskaner hatte sich 1941 für einen Familienvater in den Hungerbunker des Konzentrationslagers Auschwitz schicken lassen. „Er hat argumentiert, selbst keine Kinder zu hinterlassen, für die er sorgen müsse.“

Franciszek Gajowniczek, jener Mann, für den Kolbe die qualvolle Zeit im Bunker auf sich genommen hatte, hat tatsächlich überlebt. Er konnte 1982 mit seiner Familie live dabei sein, wie Maximilian Kolbe auf dem Petersplatzheilig gesprochen wurde. Auch Heinz-Georg Voß war dort anwesend.

„Es ist doch beeindruckend, wenn man das Wirken von Heiligen noch selbst erlebt hat“, findet Heinz-Georg Voß. Mutter Teresa, deren aktueller Status selig ist, zählt auch zu diesen besonderen Menschen. „Allein ihr Lebensweg ist ein Wunder!“ erklärte Voß. Zu ihrem Leben und zur Namenspatronin der St. Theria-Gemeinde Evingsen, Thérèse von Lisieux, gibt es eine erstaunliche Parallele: „Beide Frauen haben dokumentiert, dass in ihrem Innern zeitweilig keine Verbindung mehr zu Gott bestanden hat. Trotzdem haben sie sich dafür eingesetzt, andere im Glauben zu bestärken“, so Voss.

Heilige, so seine Erfahrung nach der Lektüre zahlreicher Biografien, hätten nie gesagt „Das habe ich mir verdient“.

Darin einzureihen sei auch der selige Priester Karl Leisner, der seine Inhaftierung im KZ Dachau überlebte, und auch die zum Katholizismus konvertierte Jüdin Edith Stein. Sie habe ihre religiöse Herkunft nicht verleugnet, als sie in Auschwitz in die Gaskammer geschickt wurde. „Gehen wir für unser Volk“, waren ihre Worte an ihre Schwester Erna.

Manche Selig- und Heiligsprechung werde von der katholischen Weltgemeinschaft begrüßt, andere seien umstritten. So zum Beispiel die der Päpste Johannes XXIII und Johannes Paul II. „Darüber wurde heftig diskutiert. Im Falle von Pius XII sogar noch mehr.

„Es ist aber gut, dass es diese Diskussion gibt“, findet Heinz-Georg Voß. Sie ist uns Ermutigung, über das Wirken dieser Menschen genau nachzudenken!“ - von Ina Hornemann

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