Eine ganz besondere Maria in St. Matthäus

Gut besucht war die Aufführung des Maria-Oratorium. Das Publikum erhob sich für den langen Beifall von den Plätzen.

Altena - Das Klassik-Pop-Oratorium „Maria“ aus der Feder von Eugen Eckert (Text) und Thomas Gabriel (Musik) erzählt die vertraute Geschichte der Gottesmutter auf moderne Weise. Gesangssolisten, Instrumentalisten und ein Projektchor des Bistums Essen präsentierten das Werk am Sonntag in St. Matthäus und ernteten langen Beifall.

„Werde ich es schaffen, dich zu halten, wenn du dich in meine Arme legst?“, singt Maria im Prolog der Geschichte. Kurz zuvor ist ein Engel der jungen Frau erschienen und hat sie aufgefordert, sich über ihre ungewollte und angeblich göttliche Schwangerschaft zu freuen. Und nun fragt sie sich wie andere Mütter auch, ob sie das wohl schaffen wird mit dem Kleinen.

Furchtbares hat Maria durchgemacht, als sie die Frage fast wortgleich am Ende des Musicals wiederholt: „Werde ich es schaffen, dich zu halten, da du jetzt in meinen Armen liegst?“ Nun hält sie den Gekreuzigten im Arm und findet Trost im Entschluss zur Verbreitung der guten Botschaft, die aus diesem Tod erwächst: „Dein Wort will nun ich verkünden und dein Himmel bleibt uns, hier!“

„Sie erleben heute eine besondere Maria“, hatte der musikalische Leiter Stefan Glaser, bischöflicher Beauftragter für Kirchenmusik, angekündigt – „eine Maria, die alle Ängste, alle Nöte einer jungen Frau hat, die schwanger wird.“

Und Maria hatte eine Stimme, die aufhorchen ließ. Das verdankte sich dem bemerkenswerten Text, der eingängigen Musik, vor allem aber der Sängerin Miriam Schmitz. Ihr schlanker Sopran, der die höchsten Töne der Partitur mit einer wunderbaren Leichtigkeit meisterte, passte bestens zu einer jungen Frau, die mit einer in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Situation fertig werden muss.

Das Oratorium erzählt in sechs Bildern, einem Prolog und einem Epilog die aus den Evangelien vertraute Geschichte. Die Vorgeschichte von Elisabeth und Zacharias –jener ebenfalls überraschenden Schwangerschaft – steht am Anfang des wundersamen göttlichen Handelns. Es folgt die Verkündigungsszene durch den Erzengel Gabriel und die Begegnung der beiden Schwangeren Elisabeth und Maria. Von der Größe und Macht Gottes geht es in die Niederungen der Politik: Der Chor zeigt sich skeptisch gegenüber den vollmundigen Friedensverheißungen der römischen Soldaten: „Hört ihr das? Das ist ein Witz?“ Denn ganz Judäa ist besetzt, und das Heilige Land in der Hand von Leuten, die „plündern und vergewaltigen“. Keine guten Zeiten für die Geburt in Bethlehem, deren Schilderung schon ein wenig Weihnachtsstimmung in St. Matthäus aufkommen ließ.

Dass Marias Sohn kein unkompliziertes Kind war, machte die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel klar. Seine Taufe durch Johannes, sein Wirken und sein Tod waren auf einen Akt des Dramas zusammengezogen, was aber auch nachvollziehbar war: Denn das Pop-Oratorium sollte die Geschehnisse ja aus der Sicht Marias erzählen.

Das gelang auf eine unterhaltsame und zum Nachdenken anregende Weise dank der durchweg guten Gesangssolisten und der interessanten Mischung aus klassischem Instrumentarium und einer kleinen Band. Einziger Wermutstropfen war die unzureichende Verständlichkeit vieler Chorpartien, denen es an Prägnanz gegenüber den Instrumenten fehlte. Doch mithilfe des Programmheftes, das den vollständigen Text enthielt, konnten die Besucher diesem Mangel abhelfen.

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