Kirmesbetrieb vor dem Start

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August Schneider (links) mit Jörg Lotte vom Nostalgie-Riesenrad.

Altena - „Der Mann ist ein Phänomen“, sagt Platzmeister Volker Richter mit Anerkennung in der Stimme. Er spricht von August Schneider, dem Chef-Schausteller der Schützenfest-Kirmes auf dem Langen Kamp.

Er ist mittags auf dem Festplatz und soeben aus Gütersloh kommend eingetroffen. Jetzt organisiert Schneider das Einrücken von weiteren Zugmaschinen mit Anhängern, während die ersten Fahrgeschäfte im Aufbau langsam als solche erkennbar werden. Am Nachmittag wird Schneider wieder aufbrechen, dann liegen 500 Kilometer am Lkw-Steuer vor ihm. Nichts Ungewöhnliches? Doch, denn August Schneider ist 85 Jahre alt. Als der Lippstädter zum ersten Mal nach Altena kam, gehörte zur Kirmes noch eine Ausstellung der Wehrmacht.

Aber das Riesenrad auf dem Platz ist noch um einiges älter. Das Nostalgie-Riesenrad ist das einzige Fahrgeschäft in Deutschland, das mitsamt seinem Transportwagen unter Denkmalschutz steht. Es stammt aus dem Jahr 1918. Das Fahrgeschäft wurde damals durch Mitglieder der Düsseldorfer Schaustellerfamilie Bruch für den eigenen Betrieb gebaut. Heute gehört es Jörg Lotte aus Telgte.

Das Riesenrad ist eine Holzkonstruktion, bei der nur der Antrieb und die Hauptachse aus Eisen sind. Der Antrieb erfolge bis heute über den „originalen Schleifringmotor mit Salzwasseranlasser“, erklärt Lotte. Das stelle einen weichen und gleichmäßigen Lauf sicher. Im Laufe der Zeit wurden verschlissene Teile ausgewechselt, wobei man allerdings nicht in die Konstruktion eingriff, sondern den historischen Bestand unverändert kopierte: Hierzu zählen die zwölf Gondeln, genannt „russische Schaukeln“, und die Bemalung der Verkleidung (von 1938), später mehrmals übermalt. Es handelt sich um eines der wenigen Riesenräder älterer Bauart in Deutschland, die noch erhalten sind.

Wesentlich rasanter und mit High-Tec geht es auf dem benachbarten Fahrgeschäft zu, dem X-Faktor. Seine Gondel kann 16 Personen aufnehmen, die sich auf eine äußerst turbulente Fahrt freuen dürfen. Nicht nur, dass die Gondel bis auf einen Winkel von 125 Grad hoch gefahren werden kann – also fast über Kopf – sie dreht sich dabei auch mit überzeugender Geschwindigkeit um die eigene Achse.

Der X-Faktor gehört Franz Deinert aus Unna und ist mit einer computerisierten Steuerung ausgestattet. Sie überwacht auch, dass alle Bügel geschlossen sind.

Übrigens: Am Donnerstag, 4. Juni, gibt es mit dem Startschuss der diesjährigen Schützenfest-Kirmes auf allen Fahrgeschäften von 14 bis 15 Uhr Freifahrten.

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