Kirchenkabarett beim Herbstfest

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Ist sie nicht reizend? Ulrike Böhmer bei der Arbeit...

Altena - Erna Schabiewsky weiß nicht nur, wo die Glocken hängen. Sie ist auch intime Kennerin dessen, was in katholischen Frauengemeinschaften so abgeht.

So gesehen traf sie auf ein überaus sachkundiges Publikum, als sie am Sonntagnachmittag im Pfarrsaal von St. Matthäus auftrat. Dort fand nämlich das Herbstfest der katholischen Frauen statt. Kaffee mit Koffein, Kaffee ohne Koffein und bloß nicht die Kannen vertauschen – immer wieder bewies die preisgekrönte Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer aus Iserlohn ihre intimen Kenntnisse katholischer Gruppierungen. 

Nachdem die Teilnehmerinnen zunächst ganz praktisch Kaffee und Kuchen zu sich genommen hatten, wurde das Thema anschließend theoretisch erörtert, Zum Beispiel Erdbeerkuchen – es war zum Brüllen komisch als Erna Schabiewksy drastisch schilderte, wie der morgens gekaufte Kuchen im Laufe des Tages vor sich hinweicht und dann kaum noch auf die Teller zu bekommen ist – eine Krisensitzung des Vorstandes war logische Folge dieses Super-Gaus in der katholischen Frauenarbeit. Butter muss rein in den Kuchen – den Grund dafür fand Erna Schabiewsky heraus, als ihr Enkel Max Kevin im zarten Alter von neun Jahren endlich zur Taufe ging – das weiße Kleid zog er nur gegen ein ordentliches Bestechungsgeld an. 

Nicht nur getauft, sondern auch gesalbt wird beim katholischen Taufakt – und in dem geweihten Chrisam ist Fett. „Durch und durch gesalbt“, seien die Besucher katholischer Kaffeekränzchen, wenn denn nur genug Buttercreme serviert werde, erkannte daraufhin die Kabarettistin. Ulrike Böhmer wurde vor 54 Jahren in Iserlohn geboren und hat „dort das „Katholische“ mit dem Weihrauchduft sonntäglich inhaliert“, wie sie selbst in ihrer Biografie schreibt. Ehrenamtlichen Aktivitäten in Kirche und Gemeinde folgte nach dem Abitur ein Studium der Theologie in Münster, das Böhmer aber wegen beruflicher Aussichtslosigkeit schnell wieder aufgab und stattdessen Religionspädagogik studierte.

Sie arbeitete als Gemeindereferentin, trat aber nebenbei immer wieder als Kabarettistin auf. Seit 2003 macht sie das hauptberuflich – frauenbewegt, kirchenkritisch, herzerfrischend, humorvoll und hintergründig und inzwischen schon mit dem sechsten Solo-Programm – am siebten wird gearbeitet. Es würde an ein Wunder grenzen, wenn sie dann nicht wieder im roten Kostüm, mit Pepita-Hütchen und Kingsize-Handtasche auf der Bühne stehen würde... 

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