Kein Respekt vor Polizei, Wehr und Rettungskräften / Gaffer ein Thema

Polizei: Üble Beschimpfungen sind alltäglich

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Polizeihauptkommissar Andreas Schober vor der Feuerwehr. Polizei und Wehr arbeiten Hand-in-Hand.

Altena - Beleidigungen, tätliche Angriffe und Widerstand gegen Polizeibeamte – das gibt es auch in Altena. Wie Andreas Schober, Leiter der Wache, auf Anfrage bestätigte, wurden erst in der vergangenen Woche zwei Kolleginnen bei einem Einsatz ganz übel beschimpft.

Er möchte die Worte lieber nicht wiederholen, die ihnen immer wieder an den Kopf geworfen wurden, sagt der Polizeihauptkommissar. Doch auch die Fäuste fliegen schon einmal. Zwar kann der Beamte dazu im Vergleich zu früheren Jahren nicht ganz viel sagen – „ich bin erst drei Jahre hier an der Lenne“ – doch auch hier sei festzustellen: „Es fehlt häufig der Respekt.“ Wenn früher Beamte eine Kneipenstreitigkeit hätten schlichten wollen, habe häufig ihr Erscheinen schon für Ruhe gesorgt. „Doch Uniformträger haben es heute schwer. Sie werden ruck-zuck durch ihre Uniform sogar zum Feindbild“, sagt der Hauptkommissar. Folge: Die Polizei wehrt sich – natürlich auch im verbalen Bereich. „Der Pöbler wurde nicht nur in Gewahrsam genommen, ihn erwartet auch eine Anzeige wegen Beleidigung und Tätlichkeit“, sagt Schober. Fehlender Respekt, Gaffer und selbst Gewalt: Auch Alexander Grass, Leiter der Feuerwehr, kennt diese Phänomene. Er müsse aber ehrlicherweise sagen, dass sich Altena in dieser Hinsicht noch auf einer Insel der Glückseeligen befinde.

Insel der Glückseeligen

„Ich muss schon lange zurückdenken, bis mir konkrete Fälle einfallen.“ Einer davon war der Brandeinsatz bei da Vito, als Gaffer über hunderte von Metern während einer städtischen Großveranstaltung (Flohmarkt) ihre Handys gezückt und seine Leute bedrängt hätten. Ansonsten: Angriffe auf Rettungskräfte habe es in jüngster Zeit nicht gegeben. Wenngleich der Umgang mit alkoholisierten Randalierern schon gewisse Anforderungen verlange. Anders ist die Situation kreisweit. Hier vermeldet die Kreispressestelle: „Die Übergriffe auf Rettungskräfte nehmen zu. Der Kreis reagiert jetzt konsequent mit Anzeigen wegen Körperverletzung.“ Sprecher Hendrik Klein befragte dazu stellvertretend den Rettungsassistenten Matthias Drenkelfuß.

Alkohol und Drogen

Der erinnert sich noch gut an einen Einsatz, als er mit seinem Kollegen nach Neuenrade-Affeln gerufen wurde. „Dort hatte eine junge Frau auf einer Party offensichtlich zu viel Alkohol und Drogen konsumiert. Sie war vor der Tür kollabiert. Als wir helfen wollten, hat sie um sich geschlagen und getreten. Die Dame war völlig hysterisch“, erzählt der Garbecker. Im Krankenhaus bedurfte es sieben Personen von Polizei, Rettungsdienst und Pflegepersonal, um die Dame ruhig zu stellen.“ „Wir lassen uns das nicht mehr gefallen. Bei solchen Vorfällen wird künftig Anzeige erstattet. Wir haben auch eine Fürsorgepflicht unseren Rettungskräften gegenüber“, so Guido Thal, Leiter des Regiebetriebes Rettungsdienst beim Märkischen Kreis. Was ist also zu tun?

Konsequenzen

 „Die Konsequenzen sind einfach zu gering, die so ein Verhalten gegenüber Hilfs- und Einsatzkräften hat“, so ein heimischer Rettungssanitäter. Bleibt nur die traurige Feststellung: Das ist ein gesellschaftliches Problem. Der Respekt gegenüber Polizei, Wehr und Rettungsdienst sowie die Hilfsbereitschaft allgemein nehmen ab.

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