Grüße aus Schweden: Jürgen Kalf fährt mit dem Fahrrad bis nach Grönland

Trotz Dauerregens und Temperaturen um den Gefrierpunkt genoss Jürgen Kalf die eindrucksvollen Naturschauspiele, die sich ihm abseits der teils holprigen Piste boten.

Altena - Jürgen Kalf fährt mit dem Fahrrad durch Island bis nach Grönland - auch wenn er zwischendurch mal zum Übersetzen auf Fähren zurückgreifen muss. Er hat abenteuerliches Wetter erlebt und freundliche Menschen getroffen, so zum Beispiel in Schweden. Hier schildert er seine Eindrücke:

Inzwischen sind seit meiner Abreise mehr als drei Monate vergangen.

In einem Supermarkt kam ich mit dem deutschen Urlauber Marc ins Gespräch. Als ich ihm von meiner Radtour erzählte, war er so begeistert, dass er mich für die kommenden zwei Tage in sein Sommerhaus einlud. Seine Kinder, acht und zehn Jahre alt, freuten sich über den unangekündigten Besuch. Das Haus lag idyllisch an einem See, zusammen verbrachten wir schöne Stunden mit interessanten Gesprächen, Grillen, Schwimmen und einer Motorbootfahrt.

Zudem half mir mein Gastgeber bei meinem Handy-Problem weiter: Er fand heraus, dass sich mein gestohlenes Smartphone in einem Wohnblock in Vilnius befand. Mit viel Raffinesse sperrte er das Gerät für den Dieb und machte es somit nutzlos.

Unterwegs auf einem der schönsten Radwege Schwedens

Nach den zwei Tagen im Sommerhaus bin ich von Stockholm aus am Göta-Kanal entlang nach Göteborg gefahren. Dieser beginnt 50 Kilometer hinter Stockholm, es ist einer der schönsten Radwege in Schweden, den ich jedem Radler empfehlen kann. Besonders eindrucksvoll sind die historischen Schleusen aus dem 19. Jahrhundert – eine technische Meisterleistung.

Von Göteborg ging es weiter mit der Fähre nach Friederichshafen, dann durch Dänemark bis Hiltshalts. Von dort fuhr ich mit der Fähre nach Island. Bei 25 Grad Celsius Außentemperatur betrat ich die Fähre, bei zwei Grad über Null ging ich in Island an Land. Die Zeit auf der Fähre war mit sehr viel Geselligkeit verbunden: Ein Laienchor von den Färöer Inseln hatte für ausreichend Stimmung gesorgt.

"Jürgen, warum tust du dir nur so etwas an?"

An Land ging es dann gleich hoch nach Englisstadir, weiter zum Myvatn – immer bei Regen und drei Grad plus. Mein Zelt musste ich in der freien Natur aufbauen, die Finger waren steif vor Kälte, alles war nass, es war fürchterlich. Die ganze Zeit fragte ich mich: „Jürgen, warum tust du dir nur so etwas an?“ Wind und Regen ließen mich nur mit acht Stundenkilometer vorwärts kommen.

Als ich in Mytvn ankam, gönnte ich mir erst einmal zwei Stunden im 42 Grad heißen Wasser im Naturbad.

Trotzdem: Meine gesamte Ausrüstung war nass, die ersten zehn Tage in Island waren für mich die schlimmsten überhaupt.

Schwierigkeiten auf der Piste

Inzwischen hatte ich mich mit einem französischen Radfahrer angefreundet. Wir beschlossen, gemeinsam die Hochlandpiste F35 abzufahren – stets begleitet von Temperaturen um den Gefrierpunkt und Dauerregen. Das Schlimmste an dieser Kälte war die Tatsache, dass mein Gaskocher eingefroren war. So konnte ich mir morgens noch nicht mal einen heißen Kaffee kochen.

Zur Piste: Die F35 mit dem Fahrrad zu befahren, ist mit viel Können verbunden. Es ist zum Teil nur Felsgeröll, das als Fahrbahn zur Verfügung steht. Die Piste wurde vom Schmelzwasser teilweise aufgerissen, die Schlaglöcher sind so tief, dass die Taschen am Fahrrad aus der Halterung gerissen wurden. Man muss den Lenker fest im Griff haben, sonst wird er einem aus der Hand geschlagen. Das könnte böse Folgen, denn im Hochland ist niemand, der einem helfen könnte.

Mit nacktem Oberkörper durch das Hochgebirge

Neben den Schwierigkeiten auf der Piste gab es Positives abseits der Strecke: Das Wetter schlug um, 20 Grad Außentemperaturen waren genug, um mit nacktem Oberkörper das Hochgebirge abzufahren.

Die Farbenpracht der Gletscherwelt kommt bei Sonnenlicht erst richtig zur Geltung. So etwas Schönes habe ich noch nicht gesehen. Auch die Blumenwelt ist von der Vielfältigkeit kaum zu beschreiben. Beim Anblick solch schöner Naturwunder nimmt man die vorherigen Schwierigkeiten gerne in Kauf.

Es geht weiter, Grönland ist mein Ziel.

Von Jürgen Kalf

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