Großonkel Siegmund war Besitzer des Kaufhaus Heinemann

Jüdische Familie auf der Suche nach den Ahnen

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Die Familie Heinemann betrachtet den „Stolperstein“ vor dem ehemaligen Kaufhaus, das bis 1937 ihrem Großonkel Siegmund gehörte. Im Mühlendorf besuchten sie das Grab von Julie Heinemann (kleines Bild)

Altena - Am Wochenende waren das Ehepaar Dobiey-Heinemann und Steven Heinemann mit Familien zu Gast in Altena, um ihre familiären Wurzeln zu erforschen und das Grab ihrer 1930 verstorbenen Urgroßmutter Julie Heinemann zu besuchen. Es befindet sich auf dem jüdischen Friedhof im Gehegde.

Die Heinemanns sind Nachfahren einer einflussreichen Altenaer Kaufmannsfamilie. Julie Heinemanns Sohn Siegmund war ihr Großonkel. Er war Besitzer des größten Altenaer Kaufhauses, das in der Reichspogromnacht verwüstet und dann an die Familie Böhrer verkauft wurde. Sie hat damals auch den Kaufpreis korrekt überwiesen – die Heinemanns haben aber nie etwas von dem Geld gesehen. Es landete auf einem Sperrkonto der Deutschen Bank und wurde im Dezember 1942 vom NS-Regime beschlagnahmt. 

Tochter starb in Auschwitz

Siegmund Heinemann wanderte 1939 mit seiner Familie nach Belgien aus. 1943 wurden zunächst seine beiden Töchter verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo eine von ihnen im Jahre 1944 starb. Heinemann und seine Frau Helene kamen kurze Zeit später in ein Gestapo-Lager, überlebten die Nazi-Herrschaft und wanderten 1954 mit ihrer Tochter Hannelore in die Vereinigten Staaten aus. Heute erinnert ein „Stolperstein“ vor diesem Wohn- und Geschäftshaus gegenüber des Parks des Hauses Köster-Emden an das Schicksal dieser jüdischen Einwohner der Stadt Altena. 

Mitglieder der Stolperstein-Initiative begleiteten die Familien bei ihrem Altena-Besuch. Ingrid Dobiey-Heinemann lebt mit ihrem Mann zum größten Teil in Namibia und nur in den Sommermonaten in Deutschland, Steven Heineman war mit seiner Frau Leslie und drei Kindern aus Scarsdale im US-Staat New York angereist. 

Spende für zukünftigen Stolperstein

Sehr gerührt zeigten sich die Familien, die durch das Internet erstaunlich viel Wissen über Altena mitbrachten und deswegen auch mit dem Burgaufzug fuhren, über das soziale Engagement der Altenaer im allgemeinen und der Stolperstein-Initiative im besonderen: „Machen Sie weiter so“, sagten sie und spendeten das Geld für einen weiteren, zukünftigen Stolperstein – eine Geste, die die Mitglieder der Stolperstein-Initiative sehr berührte.

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