Seit 125 Jahren unterwegs mit Freunden

Rast muss sein - das wissen erfahrene SGV-Mitglieder wie Bernd Rödiger und Vorsitzender Thomas Braun.

Altena -  Kann ein Mensch 37 529 Freunde haben? Wohl kaum. Doch ein Verein? Vielleicht? „Wer will“, sagt dazu die Homepage des Sauerländer Gebirgsvereins, SGV, und spielt damit auf die aktuelle Mitgliedszahl des bundesweit drittgrößten Wander- und Freitzeitvereins an. Mit 242 Abteilungen, darunter natürlich auch Altena, ist der SGV sogar „vom Rhein bis zur Diemel und von der Lippe bis zur Sieg“ der größte Wander- und Freizeitverein Westfalens. „Wir sind alle Freunde. Weil wir alle die gleiche Leidenschaft teilen – das Wandern und die Freizeitgestaltung in der Natur“, kommentiert das Thomas Braun.

Er richtet gemeinsam mit seinem Vorstand am Samstag, 12. September, einen besonderen Festtag aus. Die SGV-Abteilung Altena feiert ihren 125. Geburtstag und wird dieses „Wir-Gefühl“ ab 19 Uhr in der Burg Holtzbrinck fröhlich begehen.

Mit diesen 125. Jahren gehört die Abteilung Altena „zu den ältesten innerhalb der gesamten SGV-Familie“, die sich offiziell erst am 31. Januar 1891 zusammenfand. Da gab es schon mehr als 30 aktive Wanderfreunde in der Burgstadt, die sich auf Initiative von Dr. Oskar Rebling, dem Leiter des Altenaer Gymnasiums, als Wanderverein gegründet hatten.

„125 Jahre gehört der SGV seit dieser Zeit zu den wichtigen Vereinen in unserer Stadt. Die Idee ist jung geblieben, auch dank vieler Menschen, die sich immer wieder durch Aktivitäten eingebracht haben“, lobt der Präsident des Hauptvereins, Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein.

Ihn – wie auch Thomas Braun und seinen Vize Bernd Rödiger – hat schon früh der „Bazillus“ Wandern gepackt.

„Als ich drei Jahre alt war, haben mich meine Eltern zum ersten Mal mit zum Wandern genommen“, erinnert sich der 56-Jährige heute. Ob er seit dieser Zeit wirklich „einmal um die Erde gelaufen ist?“, lässt Braun offen, während Hund Elo ihn anspringt. „Der ist oft dabei, wenn wir unterwegs sind“, sagt Braun. Er steht heute 100 Vereinskameraden vor, „wir waren mal mehr als 700 Personen“, schwingt dabei auch ein wenig Wehmut mit.

Wanderschuhe hat er „reichlich im Schuhschrank“, wenngleich sie bei ihm „durchaus zwei, drei Jahre halten. Wer läuft, sollte auf Qualität achten“, sagt der Naturfreund und Kollege Bernd Rödiger nickt. Der 65-Jährige kam erst aktiv vor „acht Jahren zum Wandern. Aber es ist einfach toll“, sagt er und klopft auf den Rucksack. Ohne in die Natur? „Geht gar nicht!“ Und Braun und Rödiger präsentieren, was so alles zu einer Wanderung gehört und im Rucksack Platz haben muss: „Wasser, Brote, Käse, Wurst...“ Halt, da wäre noch etwas: Wenn Thomas Braun eine Tour führt, hat er auch immer Verbandszeug dabei. „Man weiß ja nie“. Richtig benötigt hat er es im Grunde bisher nicht. „Sehen wir mal von wunden Füßen und Blasen ab...“

Und wie ist das mit dem Verlaufen? Die beiden Männer grinsen und strahlen dabei wieder diese Ruhe aus, die ansteckend wirkt. „Wandern heißt einen Gang runterschalten, Natur erleben. Das Wegenetz, auch bei uns in Altena, ist super gezeichnet. Wer es einmal begriffen hat, dem kann es an sich nicht so schnell passieren, sich zu verlaufen.“ Und heute gibt es schon Navis für den Wanderer und vieles mehr.

SGV: Warum soll man mitmachen? Die beiden Männer und mit ihnen der elfköpfige Altenaer Vorstand inklusive Ehrenvorsitzendem Karl-Heinz Lück, wissen sofort eine Antwort. „Weil es unendlich viele Möglichkeiten gibt, unsere schöne Natur zu erleben.“

Der SGV bietet sowohl für Schüler, junge Leute, Familien mit und ohne Kinder wie für Senioren maßgeschneiderte Wanderungen und Naturaufenthalte an. Von der Wanderakademie über Hüttenaufenthalte und vieles mehr, ist der SGV mit seinen vielen Mitgliedern und der hauptamtlich besetzten Geschäftsstelle ein überregional anerkannter Ansprechpartner rund ums Wandern.

„Wandern liegt im Trend“, sagt auch Landrat Thomas Gemke, der selbst gerne die Wanderschuhe schnürt und erinnert zum 125. Geburtstagsfest an die Jugendherbergsbewegung, die relativ zeitnah zur SGV-Abteilungsgründung ebenfalls von Altena ausging. Gemke bedauert, dass „diese schöne, gesundheitsfördernde Freizeitbeschäftigung zwar boomt, aber die Mitgliederzahlen in den SGV-Abteilungen schwinden.“ Doch er sieht auch die Chance, dass die Menschen, die oft unorganisiert und individuell wandern wollen, langfristig nicht am SGV vorbei kommen. „Erst ein solcher Verein ermöglicht, dass es eine gute Wander-Infrastruktur gibt“, mahnt Thomas Gemke.

Wie reagiert Altena auf die sich ändernden Gegebenheiten? Braun und Rödiger: „Unsere Wanderungen sind und bleiben Natur- und Landschaftserlebnis bei gleichzeitiger Pflege der Geselligkeit. Wir sind wie eine große Familie. Das kommt gut an. Andererseits gibt es auch Radwanderungen und seit Jahren einen offenen Singkreis an jedem 2. Dienstag im Monat im Haus Pilling.“ 22.50 Euro beträgt der Mitgliedsbeitrag pro Jahr für Ehepartner und Jugendliche. Kinder bis 16 Jahre sind frei. Braun: „Inklusive ist sogar eine Haft- und Unfallversicherung.“

Präsident Dr. Andreas Hollstein: „Das Vereinsleben ist nach meiner Einschätzung weiterhin aktiv und lebendig. Mit 125 Jahren im Rücken, Wind und Wetter erprobt und von vielen Menschen getragen, bin ich sicher, dass der SGV weiter seine Rolle unter den ältesten Vereinen in Altena spielen wird.“

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