Insolvenz St. Vinzenz-Krankenhaus: Entscheidung am 24. Juli

Das Krankenhaus St. Vinzenz an der Bornstraße. Nach der überraschenden Nachricht von Dienstag, dass eine vorläufige Insolvenz bewältigt werden muss, liegt das Augenmerk der Verantwortlichen jetzt auf dem so genannten Schutzschirm-Verfahren.

Altena - Das Telefon steht bei Dirk Wiese, Krankenhaus-Geschäftsführer der St. Vinzenz Altena GmbH, nicht mehr still. Der Krankenhausbetrieb muss auch am Tag 1 nach der Veröffentlichung über die „Insolvenz in Eigenverwaltung“ (AK berichtete) weitergehen.

Und das fängt bei den lebensnotwendigsten Dingen an. Zum Beispiel bei der Lebensmittelversorgung. „Die ist sichergestellt und auch vieles mehr“, versichert Wiese. Natürlich wollen auch die Vertragspartner des Hauses wissen, wie es weitergeht. „Wir geben alles dafür, unseren Verbindlichkeiten schnellstmöglich nachkommen zu können“, berichtet Dirk Wiese, der am Mittwoch, 22. Juli, mit Sachverwalterin Dr. Ruth Rigol und Restrukturierungsberater Dr. Andreas Schleicher in Altena Beratungsgespräche führte.

Für die Sachverwalterin aus der Kölner Kanzlei Dr. Ringstmeier & Kollegen steht in den nächsten Tagen ein umfangreiches Aktenstudium auf dem Plan. „Oberste Priorität ist, bis Freitag, 24. Juli, einen Überblick zu bekommen“, ist aus dem Kanzleisekretariat zu erfahren. Möglichst bis Freitag, denn da ist eine Mitarbeiterversammlung einberufen, bei der das Kollegium über die weiteren Schritte und Rahmenbedingungen der Insolvenz in Eigenverwaltung informiert wird.

Dr. Ruth Rigol ist nicht nur als Sachwalterin, sondern auch als unabhängige Sachverständige durch das Amtsgericht Hagen eingesetzt worden. Sie vertritt nicht nur die Interessen der St. Vinzenz GmbH, sondern auch die ihrer Gläubiger. Vier von ihren sind für Freitag durch Insolvenzrichter Stefan Matthias ins Hagener Amtsgericht geladen worden. Alle Verfahrensbeteiligten werden in diesem Zuge über den Stand der Dinge informiert. Anschließend können die Gläubiger ihr Veto gegen den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung einlegen. Sollte das der Fall sein, müsste das Krankenhaus in die Regelinsolvenz gehen, sofern die Zahlen nach eingehender Prüfung nicht doch eine andere Sprache sprechen.

Ein für alle Mitarbeiter besseres Ausgangsszenario ist das aktuell beantragte Schutzschirmverfahren. Es ermöglicht der Geschäftsführung, im Dienst zu bleiben und es ist sichergestellt, dass über das staatliche Insolvenzausfallgeld die Gehälter für drei Monate weitergezahlt werden. „In der Regel wird spätestens nach Ablauf dieser drei Monate eine Entscheidung getroffen“, erklärt Richter Stefan Matthias. Sieht die Sachverwalterin und Sachverständige eine Perspektive, die St. Vinzenz GmbH wieder auf Kurs zu bringen, kann der Schutzschirm wieder zugeklappt und das Krankenhaus normal weitergeführt werden.

„Aber auch im Regelinsolvenzverfahren wird so ein Betrieb nicht vom einen Tag auf den anderen geschlossen“, erklärt Stefan Matthias. Die Geschäftsführung werde in diesem Fall vom Insolvenzverwalter übernommen, der sich nach Geldgebern, Investoren und Käufern umsehen kann. Das ist bereits jetzt beim Gesundheitszentrum Altena der Fall. Als GmbH muss diese Einrichtung bei Zahlungsunfähigkeit den gesetzlichen Weg der Regelinsolvenz einschlagen. Krankenhaus und Pflegeheim sind jeweils GbRs, weshalb für sie das Schutzschirmverfahren beantragt werden darf.

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