Führerschein allein bringt keine Sicherheit

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Ausgangs der Kurve auf der falschen Fahrbahn: Wenn jetzt Gegenverkehr käme, wäre eine Kollision kaum noch zu vermeiden!

Altena - Mit einem sonoren Wummern aus den zwei Zylindern seiner BMW 1200 GS nähert sich in zügiger Fahrt auf der Landstraße 698 Axel Strüver.

Die 240-Kilo-Maschine legt er unterhalb des Dahler Ehrenmals in die Rechtskurve. Aber er fährt „falsch“. Strüver bewegt die Maschine mit ungeeigneter Fahrtechnik – und gerät am Kurvenausgang weit auf die Gegenfahrbahn. Diesmal kann nichts passieren, denn die Straße ist gesperrt und Strüver, Polizeihauptkommissar bei der Präventionsdienststelle des Verkehrsdienstes und Mitglied der Motorradstaffel, weiß, was er tut.

Am Mittwoch, 8. Juni, endete ein vergleichbares Fahrmanöver an der selben Stelle jedoch ganz anders: Gegen 13.30 Uhr kolldierte dort ein 45-jähriger Motorradfahrer aus dem Ruhrgebiet etwas unterhalb der Einmündung Sonnenstraße mit einem entgegenkommenden Sattelzug. Der Motorradfahrer wurde dabei schwer verletzt und muss noch immer in einer Bochumer Spezialklinik behandelt werden. Für einen Motorradunfall mit einer neuen und teuren High-Tech-Maschine stellte sich die Situation für die Polizeibeamten eher ungewöhnlich dar: Es gab keine Hinweise auf überhöhte Geschwindigkeit, außerdem deutete nichts auf einen technischen Mangel am Zweirad. Die Fahrbahn trocken, das Wetter heiter.

Hauptkommissar Andreas Filthaut und sein Kollege Axel Strüver sind sich einig, dass die Unfallursache hier wohl in der Fahrtechnik des 45-Jährigen zu suchen ist. Wer nicht dahin schaue, wo er die Maschine hin haben wolle, der riskiere einen solchen Unfall.

Sie und die Kollegen im Kreisgebiet erleben Zweiradunfälle und ihre Folgen fast täglich. „Die Motorradsaison ist erst ein paar Wochen alt“, sagt Filthaut, „aber es gab schon 41 Unfälle mit Leichtverletzten und 28 mit Schwerverletzten.“ 2015 endete mit 71 Schwerverletzten und fünf Toten.

Das Stichwort ist Prävention. Das heiße zum einen, Motorradfahrer auf die Risiken ihrer Fahrweise hinzuweisen, aber mehr noch einen ganz wichtigen Aspekt zu betonen: Fahrsicherheitstrainings. Andreas Filthaut: „Wir appellieren an alle Motorradfahrer, aber besonders an Fahranfänger und Wiedereinsteiger: Nutzen Sie die Chancen, die ein solches Training bietet!“ Den Führerschein in der Tasche zu haben, reiche einfach nicht aus. „Daran muss man arbeiten.“

Die Fahrdemonstration, die die Polizei am Donnerstag arrangiert hat, soll kein Einzelfall bleiben: „Man kann das hier ein Pilotprojekt nennen“, sagt Dietmar Boronowski, Pressesprecher der Kreispolizei. Ähnliche Einsätze und Informationsangebote soll es an weiteren Stellen des Kreisgebietes geben. Für Boronowski ist klar: „Wir müssen damit ins Bewusstsein kommen!“

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