Karsten Wolfewicz und die Streiter des Himmels

Für die Musik, ohne die ein Auftritt von Engeln schwer vorstellbar ist, sorgte Karsten Wolfewicz persönlich: Es wurde gesungen, gezupft, gestrichen und auf dem Tasteninstrument gespielt. Foto: Krumm

Altena - Engel begrüßten die Besucher am Dienstagabend in der Burg Holtzbrinck. Passend zum Dezember hatte Karsten Wolfewicz die „Streiter des Himmels“ zum letzten 2015er-Thema des Gartens der Geschichte gemacht.

Zwischen Modellen der aristotelischen Himmelssphären, Architekturmodellen und der Heiligen Lanze König Heinrichs I. umschmeichelten Tücher mit ihren Namen die hölzernen Körper von Haniel und Raphael, Michael und Gabriel. Begegnet war Karsten Wolfewicz ihren irdischen Erscheinungsformen auf einer Fläche, auf der der Sturm Kyrill viel Bruchholz hinterlassen hatte. Ein Leib, zwei Flügel – diesem Vorstellungsbild entsprachen auch diese ansonsten recht abstrakten Anschauungsbilder himmlischer Wesen. Der pausbäckige Rauschgoldengel war zur Unterstützung irgendwo als Begrüßungskomitee in der Burg Holtzbrinck unterwegs. Für die Musik, ohne die ein Auftritt von Engeln schwer vorstellbar ist, sorgte der Geschichtsgärtner höchstpersönlich: gesungen, gezupft, gestrichen und auf dem Tasteninstrument gespielt. Thematisch war es ein weites Feld: Von der Weihnachtsgeschichte des Lukas, in der die Engel als Verkünder der frohen Botschaft auftreten, über die Bibel des Bischofs Wulfila, der für seine Übersetzung ins Gotische eine eigene Schrift erfindet, bis zur karolingischen Heliand-Dichtung um 850, mit der die Überlieferung der Weihnachtsgeschichte auch im Kulturraum „zwischen Hönne und Volme“ ankam.

Die Ankunft der biblischen Botschaft in einem Gebiet, dessen Vorstellungswelt von germanischen Göttern bestimmt gewesen war, erzeugte Mischüberlieferungen wie „Gott als wotanischer Himmelskönig“. König David erreichte die westfälischen Lande und wurde dabei „von einem germanischen Gefolgschafts- und Lehenssystem“ begleitet. Eine Hierarchie, Zuständigkeiten und symbolische Zuschreibungen gibt es auch im Reich der Himmelsboten – allen voran die Erzengel. Hier deuteten sich Bezüge zwischen Engeln, geometrischen Figuren, Tarot-Symbolen und den Elementen Feuer, Luft, Wasser und Erde an. Sie lassen jedem Mystiker das Herz höher schlagen.

„Die Engel haben als mythische Wesen eine Menge zu tun“, stellte Karsten Wolfewicz fest. Den Besuchern blieb als Fazit eines unterhaltsamen Abends auch die Feststellung, dass die Aktivitäten der Engel zuweilen ein wenig unübersichtlich sind. Das Programm der Gärten der Geschichte 2016 eröffnet allerdings viel Gelegenheit, in die von Symbolen durchsetzte und geheimnisvolle Welt des Mittelalters einzutauchen.

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