Altenaer Frauen mussten den Scheiterhaufen nicht fürchten

Regina Heiden mit einer dekorativen Hexe: Dieses verbreitete Bild entstammt zahlreichen Märchen.

Altena - Ohne Herzog Wilhelm wäre es mancher Frau in Altena bestimmt schlecht ergangen. Er legte viel Wert darauf, dass in der Grafschaft Mark keine Hexenverbrennungen stattfinden sollten. Im Neuenrade des 17. Jahrhunderts dagegen konnte man es von Weitem riechen, wenn wieder einmal eine Frau übersinnlicher Kräfte beschuldigt wurde.

Den Mitgliedern der Kolpingsfamilie Evingsen lief mancher Schauer über den Rücken, als Regina Heiden am Freitagabend über Hexenverbrennungen berichtete. „Das Thema gehört nicht in die Vergangenheit, sondern ist in unserer Welt bis heute präsent“, berichtete die Mitarbeiterin des Museums Burg Altena. In Afrika und Südamerika werden bis heute Menschen der Hexerei beschuldigt und brutal gefoltert. Die Gründe sind ähnlich wie im Deutschland des 16. und 17. Jahrhunderts: Missernten, Unwetter, Unglücke...

„Während der beiden großen Hexenverfolgungswellen hat es schon ausgereicht, dass eine Kuh weniger Milch gab, um eine Frau der Hexerei zu beschuldigen“, schilderte Regina Heiden. Insbesondere Hebammen und Kräuterweiblein wurden gern für gesellschaftliche Missstände verantwortliche gemacht, aber auch Männer mussten sich vor dem Regelwerk des Hexenhammers fürchten. „Ein Viertel der 30000 hingerichteten Opfer in Deutschland waren Männer“, so Heiden. Und keines von ihnen brauchte auf einen fairen Prozess zu hoffen, denn unter den vorherrschenden bestialischen Foltermethoden gestanden am Ende alle, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Im Amt Balve allein starb zwischen 1628 und 1630 jeder 20. Bürger auf dem Scheiterhaufen. „Der wurde sogar noch als Akt der Gnade betrachtet, denn das Feuer sollte die Seele reinigen“, erläuterte die Referentin. Großen Einfluss hatten die Kirchen, sowohl die katholische, als auch die protestantische. Obwohl die katholische Kirche bis ins 13. Jahrhundert Hexerei abgestritten hatte. Vier Jahrhunderte später war die Hexenverfolgung gar vom Papst abgesegnet.

Erst 1728 hatten die Gräueltaten ein Ende mit der letzten Hexenverbrennung in Winterberg. Relikte aus dieser Zeit finden sich bis heute in mancher Kommune. Selbst in Altena, wo kein Scheiterhaufen brannte, gibt es noch ein Hexentor.

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