Heute, 19. November, Abschluss der Jubiläumsausstellung der Werkstatt

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Die Drahtplastik im Vordergrund ist von Heiko Börner. Sie zeigt, was das Stipendium bewirken kann: Börner kam 2005 als Holzbildhauer, Zugang zum Werkstoff Metall fand er erst in der Drahtstadt.

Altena - Wie man mit wenig Geld viel bewegt, das zeigt seit inzwischen 40 Jahren die Werkstatt Altena. 39 Stipendien hat sie seit 1976 vergeben, alle an junge Künstler.

Eine Wohnung, ein Atelier und ein paar Euro zum Lebensunterhalt – das reicht, um ihnen den finanziellen Druck zu nehmen und Raum zu geben für künstlerische Weiterentwicklung. Zum Beispiel Nadine Fiedler: „Da sieht man doch richtig, wie die sich entwickelt hat“, schwärmt Matthias Rüth und zeigt auf zwei ihrer Bilder. Das eine ist drei Jahre alt, das andere ganz aktuell. Viel sicherer und ausdrucksstärker sei inzwischen die Linienführung, meint der Vorsitzende des Kunstfördervereins und hat völlig recht damit. 

Die beiden Werke von Nadine Fiedler sind Teil einer Ausstellung, die „von allen etwas“ heißen könnte: Werke sämtlicher Stipendiaten werden nur noch heute, 19. November, im Haus Köster-Emden gezeigt. Schon das ist spannend und mit allerlei „weißt Du noch?“-Momenten verbunden. Angela Nicks „Regentag im Sauerland“ ist da zum Beispiel zu sehen – das Bild stammt aus der Zeit, als die Stipendiaten noch Jahresgaben für alle Mitglieder zu hinterlassen hatten. Eilike Schlenkhoff ist mit einem farbenfrohen Original vertreten, Anne Karen Hentschel zeigt Plastiken und von Heiko Börner ist neben mehreren Skulpturen auch der Entwurf für „Kunst auf dem Linscheidkreisel“ zu sehen, mit dem er einen Wettbewerb des Kunstfördervereins gewann. 


Bildhauersymposium schlug hohe Wellen


Das führt zu einem Aspekt, der ebenfalls mit der Werkstatt eng verbunden ist. Sie hat immer Einfluss genommen und dadurch in der Stadt vieles bewegt. Gerade in den ersten zehn Jahren ihres Bestehens ist es ihr gelungen, Großspenden zu akquirieren und davon Kunstwerke für den öffentlichen Raum zu finanzieren. Beispiele dafür sind das Wasserrad am Markaner, der Goethe und die Zögergruppe an der Mittleren Brücke, die längst aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken sind. Als sie in den 80-ern geschaffen wurde, da schmähte manch einer die Figuren als „rachitische Gestalten“. Hohe Wellen schlug vor allem ein Bildhauersymposium, zu dem die Werkstatt 1992 mehrere Künstler eingeladen hatte. Sie schufen Dinge wie den „Stein des Anstoßes“, der aus dem Pflaster des Holtzbrinck-Vorplatzes ragte oder Stahlplatten, die in der Innenstadt in das Pflaster eingelassen wurden – es gab heftige Kritik, viele Zeitungsartikel und eine Debatte des Kulturausschusses. 

Ergebnis: Die meiste Kunst blieb erst einmal an Ort und Stelle. Inzwischen hat der Bauhof das meiste wieder weggeräumt, heimlich still und leise und ohne dass es einen Aufschrei der Empörung gab. An diese und andere Episoden erinnert eine große Presseschau, die einen der Ausstellungsräume dominiert. Wer sich für die absolut sehenswert und sehr vielschichtige Werkstatt-Jubiläumsausstellung interessiert, der muss sich beeilen. Sie ist heute noch von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Außerdem kann man sie sich natürlich anschauen, wenn heute abend ab 19 Uhr das Werkstatt-Jubiläum zünftig gefeiert wird. Dazu sind alle Altenaer eingeladen. Es haben auch viele ehemalige Stipendiaten ihr Erscheinen zugesagt.

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