Hermann Allhoff übergibt Altenaer Baugesellschaft historische Dokumente

Mietzins füllte einen ganzen Wäschekorb

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Herman Allhoff (l.)war früher Geschäftsführer der ABG-Tochter Wohnungs-, Bau- und Verwaltungsgesellschaft (WBV. Er übergab ABG-Chef Joachim Effertz historische Dokumente.

Altena - Hermann Allhoff holt tief Luft: „Es ist Tatsache, dass im Jahr 1923 Frauen mit Wäschekörben voller Geldscheinen anstanden, um die fällige Monats-Miete zu bezahlen. Sie wohnten mit ihren Familien in Häusern und Wohnungen, die der Unternehmer Gustav Selve für sie gebaut hatte.

Vorstellig wurden sie im Lohn-Büro der Firma, das an der Werdohler Straße 6 – heute Pflegedienst Krutzsch – zu finden war.“ Der Arbeiter Carl Hofacker, der an der Werdohler Straße 10 in einem der noch heute erhaltenen so genannten Arbeiterhäuser wohnte, musste anno 1923 immerhin 1 541 037 300 616 Mark als Monatsmiete für seine Wohnung auf den Tisch legen. 

Im Januar 1923 hatte er „nur“ 33,50 Mark, im Jahresverlauf dann 1 010, 4 200, 341 000, eine Millarde und im Dezember eben die kaum fehlerfrei in Zahlen zu schreibende Billionen-Summe zu zahlen, belegen historische Mietbucheintragungen. Stattliche Mietbücher dieser Jahre hat jetzt Hermann Allhoff, früherer Geschäftsführer der Altenaer Baugesellschafts-Tochter Bau- und Verwaltungs-GmbH (WBG) als wirklich einzigartige Dokumente der Wohngeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an ABG-Vorstand Joachim Effertz übergeben.

Blick in eines der historischen Mietenbücher aus dem Jahr 1923.

Er überreichte ihm handschriftlich geführte, kunstvoll gebundene und bis zu 15 Kilogramm schwere Mietenbücher der Jahre 1922, 1923 und weitere. Effertz hebt diese „Schätze“ jetzt erst einmal auf und lagert sie ein. „Ich freue mich über diese historischen Unterlagen“, sagt Effertz und teilte das in der neuen Newsletter-Ausgabe der ABG seinen Kunden mit. „Wir werden diese Unterlagen mit Sicherheit irgendwie in den in vier Jahren zu feiernden 150. Geburtstag unserer Gesellschaft einbauen.“ 

Hermann Allhoff war seit 1964 in der Wohnungswirtschaftsabteilung bei VDM tätig. Die hatte viele tausend Wohnungen und Millionen Quadratmeter an Wald-, Feld- und Grundstücksflächen in ganz Deutschland für die ehemalige Selve-Gruppe, die ja in VDM aufging, zu verwalten. Irgendwann in den 1990er Jahren fusionierten dann WBG und ABG und Allhoff kam in leitender Position bis zum Jahr 2000 zur ABG. Mitgebracht hat der historisch interessierte Altenaer viel Wissen um die Anfänge der Wohnungswirtschaft aus der Zeit Selves im ausgehenden 19. Jahrhundert. Allhoff kennt auf Grund eigener Forschungen viele Selve- und VDM-Firmen-Details in Sachen Wohnungswirtschaft, weiß um die Firmenfusionen, die einst in den VDM-Konzern mündeten. 

Handschriftlich wurde der Eingang der Millionen- oder Billionen-Mietzahlungen notiert.

Ob es sich um Beamte, Oberbeamte, Meister, Arbeiter oder mietfrei gestellte Bevollmächtigte, heute würde man Geschäftsführer sagen, handelt: Allhoff nennt und kennt Zahlen, Namen, Fakten. Etwa die Geschichten um Wilhelm Asshoff. Dieser Bevollmächtigte wohnte - mietfrei - in der Lenneburg und wurde sonntags mit der Kutsche zur Ausfahrt abgeholt. In den Mietbüchern finden sich Altenaer Namen wie Franz Wrede, Georg Renner oder Karl Witzel. Selve habe dafür gesorgt, dass seine Arbeiter „gut und menschenwürdig wohnten“, lobt Allhoff.

 ABG-Chef Joachim Effertz: „Es ist heute kaum nachvollziehbar, welche Irritationen und Ängste Mieter in der Zeit der Hyperinflation ausstehen mussten. Das zeigt für mich auch, welch enormen Stellenwert sicheres Wohnen in friedlicher Zeit hat.“ Das sei und bleibe eine ABG-Aufgabe.

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