Gleitschirmfliegen als Hobby: Am seidenen Faden

Gleitschirmflieger Martin Wittmers vom Aero Club Altena Hegenscheid kontrolliert vor dem Start seinen Schirm. Foto: Bonnekoh

Altena - Ist das ein Wirrwarr. Überall Schnüre: Gelbe, rote, blaue, schwarze und grüne Bänder. Martin Wittmers zupft und richtet mit ganz viel Ruhe diese Unordnung. Der Gleitschirmflieger vom Aero Club Altena-Hegenscheid e.V. kennt sich mit dieser „Farbenlehre“ aus, verzieht keine Miene.

Gemeinsam mit dem Sprecher der rund 50-köpfigen „Paraglider-Gruppe“ aus Altena, Thomas Werner, schaue ich diesem und einem weiteren Piloten bei den Vorbereitungen zum Gleitschirmflug-Start zu.

Wittmers hat zunächst seinen Schirm ausgepackt und auf die Wiese gelegt. Mehr als 30 Quadratmeter Fläche nimmt das 13 Kilogramm schwere Fluggerät aus Seide ein. Dann beginnt er mit dem Richten der Schnüre. Etwa 80 sind es insgesamt. Je 40 für die linke und rechte Hand des Fliegers. Mit ihnen kann er später in der Luft steuern und bremsen. Da darf nichts haken oder sich verdreht haben. Das Wetter – in Fliegerkreisen sagt man besser – die Thermik, stimmt. Gleich zu Beginn des Besuchs auf der gepflegten Anlage auf etwa 400 Meter über NN zeigt Werner auf den blauen Himmel. „Da, Wolken. Das gibt Auftrieb.“ Er ist – wie der Großteil der Männer und Frauen im Alter von 14 bis 80 Jahren – vom Bazillus „Gleitschirmfliegen“ infiziert. „Es ist die Freiheit, die man in der Luft hat. Das intensive Wahrnehmen des Fluges, das Spüren der Gewalten“. Es sprudelt aus dem Evingser nur so heraus, warum er sich diesem Hobby verschrieben hat.

Schnell sind wesentliche Details erzählt. Etwa zur Ausrüstung aus warmer und winddichter Kleidung, Schuhen, die noch zehn, zwanzig Zentimeter über die Frist gehen müssen, damit bei einer Landung niemand umknickt und sich das Gelenk bricht. Handschuhe, Helm, Sonnenbrille gehören dazu und eben der Schirm. Den gibt es in jeder Farbe, Form und vielen Größen. Einsteiger müssen schon 3000 Euro investieren. Für den Fliegersitz, einem Kindersitz im Auto vergleichbar, dem Gurtzeug sowie dem Rettungsschirm und einem passenden Trage-Rucksack, kommen noch einmal etwa 1000 Euro hinzu. Doch dann hält das Equipment „mindestens fünf Jahre, sofern es die vorgeschriebenen TÜV-Prüfungen übersteht und man keine großen Fehler gemacht hat mit der Lagerung.“ Denn, daran lässt Thomas Werner erneut keinen Zweifel: „Sicherheit geht bei unserem Sport vor. Leichtsinn oder Übermut können tödliche Folgen haben.“

Mit 14 Jahren kann man Pilot werden. Dann schließt sich eine intensive Schulung an. Die geht von drei Wochen bis zu einem Jahr und wird in einer Flugschule absolviert. Mit 16 Jahren wird man – eine bestandene Prüfung vorausgesetzt – Segelflug-Piloten gleichgestellt. Per Winde, mit flotten Schritten vom Wixberg aus oder sogar mit Motorunterstützung – auf drei Arten steigen vor Ort die lautlosen Fluggeräte mit ihren Piloten in den Himmel. Altenaer schauen immer wieder gerne nach oben, bewundern die Gleiter, die durchaus bis zu 100 Kilometer zurücklegen können. Derweil gehen meine Gedanken zurück zum Gewirr aus bunten Schnüren. Ob ich davon träume? Doch irgendwie bin ich auch neugierig. „Wir nehmen auch Gastflieger mit, das Gewicht ist dabei kein Problem“. Thomas Werner: Ich denke, ich komme wieder.

von Johannes Bonnekoh

www.air-hegenscheid.de

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