Kircheneinbruch bringt Angeklagten Bewährungsstrafe ein

Altena -  Kontrastprogramm im Amtsgericht: Während ein 21-jähriger Angeklagter umfassend über einen Einbruch in das Lutherhaus und die Lutherkirche berichtete, bestritt sein Mitangeklagter (49) die Vorwürfe bis zum Schluss der Verhandlung. Weil Staatsanwalt und Schöffengericht die Aussage des Jüngeren jedoch für glaubwürdig hielten und weitere Indizien gegen den 49-Jährigen sprachen, wurde am Ende auch dieser wegen gemeinschaftlichen Einbruchdiebstahls verurteilt.

Mit dem Brand in der Lutherkirche, der im Mai 2015 bei einem Einbruch gelegt worden war, hatte die Tat dieser beiden Angeklagten in der Nacht vom 17. auf den 18. April nichts zu tun. Der 21-Jährige schilderte das Vorgehen: Demnach hebelte sein Komplize zunächst ein Fenster des Gemeindehauses auf und gelangte so in das Gebäude. Dort entwendete er Silberschmuck aus einer Vitrine des Eine-Welt-Ladens, eine Geldkassette des Trauercafés Momo, eine Kaffeekasse mit etwa 30 Euro und einen Camcorder.

Telefonisch vor der Polizei gewarnt

Dass sein Komplize mithilfe eines gefundenen Schlüssels auch in die Lutherkirche gelangte und dort nach Beute gesucht habe, habe er von seinem Standort an der Kirchstraße nicht mitbekommen, sagte der 21-Jährige. „Ich habe Wache gehalten.“ Als dann nach Mitternacht ein Polizeiauto durch die Kirchstraße fuhr, rief er mehrfach den Älteren an, um ihn zu warnen.

Diese Telefonanrufe waren der stärkste objektive Hinweis dafür, dass die beiden Angeklagten in jener Nacht tatsächlich etwas miteinander zu besprechen hatten. Der 49-Jährige bezichtigte den 21-Jährigen, ganz allein für die Einbrüche verantwortlich zu sein. Der hätte in jener Nacht dann allerdings anderes zu tun gehabt, als mit ihm zu telefonieren, argumentierte Staatsanwalt Bernd Maas.

Nachdem der Täter sich Zugang zur Sakristei der Lutherkirche verschafft hatte, stahl er dort aus einem Tresor die Osterkollekte in Höhe von rund 1300 Euro und eine Digitalkamera. „Die Sakristei war verwüstet. Alle Schränke waren verwüstet“, berichtete die Küsterin der Gemeinde vor Gericht.

Die Beute sei nach der Tat geteilt worden, erklärte der 21-Jährige. Einzelne Stücke wurden später von der Polizei in einer Wohnung sichergestellt, in der er sich aufgehalten hatte. Strafrechtlich war die Situation für ihn sehr heikel, weil er zum Zeitpunkt der Tat noch unter Bewährung stand. Ein Jahr und zehn Monate standen aus, und der Angeklagte hatte es nur seinem umfassenden und glaubwürdigen Geständnis zu verdanken, dass er letztlich noch einmal mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davonkam, in die das vorangegangene Urteil einbezogen wurde.

Dem 49-Jährigen wurde neben dem Einbruch auch eine Körperverletzung vorgeworfen: Passanten waren eingeschritten und berichteten davon, wie der Angeklagte auf dem Hintersitz eines Autos auf einen Vierjährigen eingeprügelt hatte. Dafür gab es drei Monate und für die beiden Einbrüche in Kirche und Gemeindehaus jeweils sechs Monate. Das ergab nach einer juristischen Addition eine Gesamtstrafe von zehn Monaten, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt werden konnte.

Der 49-Jährige bestritt die Vorwürfe bis zum bitteren Ende und erkundigte sich umgehend, wo er Berufung gegen das Urteil einlegen könne.

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