Krankenhaus muss Vertrauen der Bürger zurückgewinnen

Michael Kaufmann (links) mit dem städtischen Fachbereichsleiter Uwe Krischer und dem Ausschussvorsitzenden Reiner Kemmerling. Der Sozialausschuss werde an dem Thema dranbleiben, kündigte der SPD-Politiker an.

Altena - Und am Ende kam Michael Kaufmann dann wieder auf jene Schranke zu sprechen, mit der die katholische Kirchengemeinde neuerdings einen krankenhausnahen Parkplatz abriegelt – statt darüber einen Kleinkrieg zu führen, solle der St. Vinzenz-Geschäftsführer sich besser darum kümmern, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, empfahl daraufhin der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Scholz.

Kaufmann war am Montag (29. August) zu Gast im Sozialausschuss, der einen Sachstandsbericht von ihm hören wollte. Um gut 20 Prozent sei die Zahl der Patienten im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, berichtete Kaufmann. Vor allem die Chirurgie könne als eigenständige Abteilung so nicht mehr finanziert werden – die Patientenzahl reiche nicht aus, um ein OP-Team vorzuhalten, das rund um die Uhr zur Verfügung stehen müsse. Es seien aber weiter Chirurgen im Haus tätig, eine Grundversorgung sei ebenso gegeben wie die Möglichkeit ambulanter Operationen und die die notärztliche Versorgung. Es sei mit dem Kreis abgesprochen, dass sie weiterhin von St. Vinzenz gewährleistet werde.

Die Schließung der Chirurgie ist einer von vier Schritten, mit dem das Haus wieder in die schwarzen Zahlen geführt werden soll. Auch ein weiterer macht Verhandlungen mit dem Kreis erforderlich: Er muss grünes Licht dafür geben, die Zahl der Plätze im St. Vinzenz-Pflegeheim von jetzt etwas über 40 auf 80 zu erhöhen. Nach ersten Gesprächen sei er zuversichtlich, dass das gelingen werde, sagte Kaufmann. Die beiden übrigen Schritte: Eine Ausrichtung der Inneren Abteilung auf den Schwerpunkt Altersmedizin und die Wiedereinführung eines Therapiezentrums – „das wird dann wieder Vinzenz Vital heißen“, versprach er.

Eine regelrechte Intensivstation werde es nicht mehr geben, sagte Kaufmann – diese Aufgabe sei wegen gesetzlicher Vorgaben von kleinen Häusern nicht mehr zu stemmen, erklärte er auf Nachfrage von Kämmerer Stefan Kemper. Es werde stattdessen Überwachungsbetten geben, die Daten der dort liegenden Patienten könnten auch per Telemedizin übertragen und beispielsweise von in Plettenberg tätigen Ärzten analysiert werden. Ziel bleibe es, die Kooperation mit dem Plettenberger Krankenhaus auszubauen. Neben dem ärztlichen Bereich sprach Kaufmann in diesem Zusammenhang von der Küche und von der Haustechnik.

Die Begeisterung über die Ausführungen des Krankenhausgeschäftsführers hielten sich gestern in Grenzen. „Sie haben viel Kapital verspielt. Sie müssen auf die Tube drücken, um das Vertrauen wieder aufzubauen“, sagte Uwe Scholz, Oliver Held von den Grünen schlug in die gleiche Kerbe und vermisste „insgesamt vertrauensbildende Maßnahmen“. Kaufmann wehrte sich: „Sie haben doch sechs Jahre lang zugeguckt, wie die Vorbesitzer das Ding an die Wand genagelt haben“. Bei der Übergabe sei das Haus alles andere als in gutem Zustand gewesen.

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