Verschärfter Tatvorwurf

Brandanschlag wird voraussichtlich als versuchter Mord verhandelt

Brandstiftung an der Brandstraße. Das sorgte bundesweit für Aufsehen.

[Update]  Altena/Hagen - Der Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Altena, an der im Oktober 2015 ein Feuerwehrmann beteiligt gewesen sein soll, wird voraussichtlich als versuchter Mord vor dem Schwurgericht in Hagen verhandelt.

Die Richter am Landgericht müssen derzeit entscheiden, ob nach der Anklage das Hauptverfahren eröffnet wird, ob es also zum Prozess kommt. In seiner rechtlichen Einordnung geht das Gericht weiter als die Staatsanwaltschaft, die in der Anklage „nur“ von gemeinschaftlicher schwerer Brandstiftung ausgegangen war.

Hintergrund ist ein zusätzliches Gutachten eines Brandsachverständigen. Danach hätten die Brandstifter nicht vorhersagen können, wie sich das gelegte Feuer entwickelte – welche Gefahr tatsächlich entstand. Sie hätten also den möglichen Tod von Menschen in Kauf genommen oder gar beabsichtigt.

Die Brandstiftung hatte deutschlandweit für Diskussionen gesorgt, unter anderem weil die Verdächtigen schon nach kurzer Zeit wieder auf freiem Fuß waren. Die Richter gehen vier Monate später davon aus, „dass die beiden Angeschuldigten des versuchten Mordes hinreichend verdächtig sind“.

Die Staatsanwaltschaft hatte den mutmaßlichen Brandstiftern in der Anklage vorgeworfen, das Feuer am 3. Oktober in Altena absichtlich gelegt zu haben – nur einen Tag nach Einzug von sieben Flüchtlingen (die letztlich unverletzt blieben). Einer der Angeschuldigten soll sich gewaltsam Zugang zu der Flüchtlingsunterkunft verschafft haben und im Dachboden das Feuer entzündet haben, aus dem schließlich ein Schwelbrand entstand. Dem zweiten Angeschuldigten wird zur Last gelegt, einen Brandbeschleuniger gekauft und im Treppenhaus Wache gehalten zu haben. Beiden Männern sei bekannt gewesen, dass im Hochparterre des Hauses Flüchtlinge untergebracht waren.

Nach der Anklage wegen gemeinschaftlicher schwerer Brandstiftung hatte die 4. Große Strafkammer den Brandsachverständigen um das Ergänzungsgutachten gebeten. „Nach dem wesentlichen Ergebnis des schriftlichen Gutachtens soll der tatsächlich stattgefundene Verlauf des Brandes für die Angeschuldigten weder planbar noch absehbar gewesen sein“, teilte Landgerichts-Pressesprecher Jens Berndt gestern mit und nannte Fragen, die im Prozess mithilfe des Gutachters geklärt werden müssten: Wieviele verschiedene Brandherde wurden gelegt? Mit welcher Brandentwicklung war zu rechnen? Zumindestens einer der Täter habe als Feuerwehrmann über besondere Kenntnisse der Entwicklung von Bränden verfügt.

Die 4. Große Strafkammer hat nun als Schwurgericht über ihre Zuständigkeit und das Hauptverfahren zu entscheiden. - thk/AK

Mehr zum Anschlag an der Brandstraße lesen Sie hier

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare