Belegschaft steht Donnerstag auf Wochenmarkt Rede und Antwort

St. Vinzenz-Mitarbeiter gehen in die Offensive

Am Tropf der Gläubiger hängen derzeit zwei von der Deutschen Klinikunion aufgekaufte Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen. In Eitorf hing es vom guten Willen der Geldgeber ab, dass das Krankenhaus weitermachen konnte.

Altena - Die St. Vinzenz-Mitarbeiter treten dem spärlichen Informationsfluss zur Situation des Hauses entgegen und stellen sich am  Donnerstag, 30. Juli, der Öffentlichkeit. „Wir werden mit einigen Mitarbeiter aus jeder Berufsgruppe auf dem Wochenmarkt präsent sein“, erklärt Geschäftsführer Dirk Wiese.

Von 10 bis 13 Uhr können die Bürger mit den Mitarbeitern ihre Anliegen und Sorgen besprechen.

Öffentliche Reaktionen auf die vorläufige Insolvenz der St. Vinzenz GmbH gibt es kaum. Die Deutsche Klinikunion (DKU), die das Haus 2011 übernahm und die St. Vinzenz GmbH als Trägerin von Krankenhaus und Pflegeheim installierte, gibt aktuell keine Stellungnahme ab. Die Geschäftsführung sei bis einschließlich 12. August in Urlaub, teilt das Sekretariat auf Anfrage mit. Das Büro von Sachwalterin Dr. Ruth Rigol lässt knapp verlauten: „Es gibt nichts Beunruhigendes“. Der Kölner Rechtsanwältin ist unter dem juristischen Schutzschirmverfahren das Kassenrecht über die Geschäfte erteilt worden. „Darüber hinaus ist die Sachverwalterin beratend tätig. Die Geschäftsführung ist weiter im Amt und mit der Hausführung betraut. Sie sucht nach Lösungen, die GmbH wieder zahlungsfähig zu machen.“

Installation des Restrukturierungsberaters löst Verwunderung aus

Bei AK-Lesern wie dem User „Wolf im Pelz“, der die Berichterstattung in der Online-Ausgabe kommentiert hat, löst die Installation des Restrukturierungsberaters Dr. Andreas Schleicher Verwunderung aus. Er fragt: „Die DKU hat eine Managementsparte. Wieso haben die DKU und ihre guten Berater über Jahre nicht geschafft, unser Haus in Altena auf die Füße zu stellen?“

Als beunruhigend wird von ihm auch die Krankenhaus-Situation in Eitorf eingeschätzt. Das dortige St. Franziskus Krankenhaus im südlichen Teil von Nordrhein-Westfalen wurde 2012 von der Deutschen Klinikunion für 2,50 Euro gekauft. 2014 machte auch dieses Haus vom neuen Insolvenzrecht Gebrauch, das GmbHs ermöglicht, ihre vorläufige Zahlungsunfähigkeit in Eigenverwaltung zu organisieren. Dr. Ruth Rigol wurde auch in Eitorf als Sachwalterin eingesetzt. Dr. Andreas Schleicher wurde später als Insolvenzverwalter installiert. Er ist Geschäftsführer des St. Franziskus-Krankenhauses und wird für die St. Vinzenz GmbH Altena als Restrukturierungsberater konsultiert.

Gläubigerversammlung spricht Geschäftsführung ihr Vertrauen aus

Die positive Nachricht: Das Eitorfer Krankenhaus läuft heute weiter. Die Gläubigerversammlung jenes Hospitals einigte sich auf die Zahlung eines Sicherstellungszuschlags von 1,35 Millionen Euro für die Jahre 2014 und 2015. Damit hatten sie einem Vergleich zugestimmt, den Dr. Andreas Schleicher einige Wochen zuvor mit der kassenärztlichen Vereinigung ausgehandelt hatte. Mehrere Monate hatten sich die Verhandlungen darüber hingezogen, zuletzt war eine Schiedsstelle eingeschaltet worden. Das Krankenhaus arbeitet an höherer Auslastung, um bald schwarze Zahlen schreiben zu können.

Mit dieser Aufgabe ist nun auch die St. Vinzenz Geschäftsführung betraut. Ihr sprach die Gläubigerversammlung viel Vertrauen aus, indem sie der Insolvenz im Eigenverwaltung am Freitag zustimmte.

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