Aktion Stolpersteinkreis für Altena wird konkret

Friedrich Petrasch hat das Schicksal jüdischer Mitbürger gründlich erforscht. Foto: Hornemann

Altena - Die Initiative „,Stolpersteine für Altena” findet zunehmend mehr Informationen über Altenaer Juden, die während des NS-Regimes ihr Leben lassen mussten. Im Arbeitskreis Recherche sind derzeit fünf Mitglieder aktiv, die sowohl im Kreis- als auch im Stadtarchiv nach biografischen Daten der Opfer suchen.

Am Mittwoch, 25. März, hieß die Initiative zudem Friedrich Petrasch aus Nachrodt willkommen, der in den 80er Jahren Zeitzeugengespräche führte.

Voraussichtlich in der zweiten Novemberwoche wollen Ulrich Weispfennig und Stefanie Ingenpaß als Initiatoren des Stolperstein-Projekts den Künstler Gunter Demnig in Altena zur Verlegung von 17 ummantelten Pflastersteinen begrüßen. Die Lebensgeschichten der Menschen, derer mit den Stolpersteinen gedacht werden soll, sollen auch veröffentlicht werden. Die Recherchegruppe hat ein Print-Produkt dafür im Auge. Die Finanzierung dafür steht jedoch noch nicht.

Die Herstellung und Verlegung der 17 Stolpersteine ist mittlerweile komplett finanziert. Ein Stein wird 120 Euro kosten. Was Gunter Demnig in die metallene Ummantelung hineinschreiben wird, will der Initiativkreis bestimmen.

In anderen Städten hatte es harsche Kritik daran gegeben, dass Demnig Original-Urteile der nationalsozialistischen Regierung auf die Stolpersteine geschrieben hatte, um zu darzustellen, mit welcher Begründung Deportationen und Tötungen einst veranlasst worden waren. Begriffe wie „Gewohnheitsverbrecher” will die Altenaer Initiative auf den Stolpersteinen nicht sehen. Auch mit Kritiken, wie sie zum Beispiel Charlotte Knobloch als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern an den Stolpersteinen äußert, haben sich Ulrich Weispfennig und Stefanie Ingenpaß beschäftigt. Bundesweit sind die Meinungen geteilt: Einerseits würden die Namen der Verfolgten durch ihre Einlassungen in den Boden mit Füßen getreten, Befürworter des Projekts sehen in den Stolpersteinen andererseits eine Gelegenheit des Gedenkens und Innehaltens.

„Wir vertreten die Position, dass mit den Stolpersteinen Gedenken und Sensibilisierung einhergehen könnte. Insbesondere junge Leute können davon profitieren”, erklärt Stefanie Ingenpaß. „Anklage wollen wir aber nicht damit erheben.”

Auch die Meinung von Nachfahren der verfolgten Altenaer will der Initiativkreis einholen. Zu Beginn des Projekts sah es nicht danach aus, dass Angehörige auffindbar sein würden. Mittlerweile haben sich jedoch Spuren bis ins US-amerikanische Miami aufgetan.

Der Nachrodter Friedrich Petrasch, der am Mittwoch zur Recherchehilfe in den Pfarrsaal St. Matthäus eingeladen worden war, hatte in den 80er Jahren Kontakt zu den Nachfahren der Altenaer und Nachrodter Familie Wolff bekommen, Zeitzeugengespräche geführt, dokumentiert und veröffentlicht. Zudem ist im Internet sein Artikel über die antisemitische Wochenzeitung „Der Stürner” zu finden, der auch Hetzschriften gegen Altenaer Minderheiten enthielt.

Der Initiativkreis ist zuversichtlich, die Biografiearbeit bald mit Hilfe von Bürgern und Archivmaterial abschließen zu können. Großer Dank der Gruppe gilt den Kreis- und Stadtarchivaren Monika und Ulrich Biroth, die vorzügliche Hilfestellungen leisten. Von Ina Hornemann

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