Stadtwerke Altena senken Gaspreis deutlich

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Wer mit Gas kocht oder heizt, darf sich freuen: Die Stadtwerke Altena senken ihren Gasbezugspreis zum 1. Oktober um stattliche zehn Prozent. Das macht unter dem Strich mehr als 100 Euro pro Jahr für einen Durchschnitts-Haushalt aus.

Altena - Gute Nachricht für Kunden der Stadtwerke: Der Gaspreis sinkt zum Stichtag 1. Oktober um zehn Prozent. Der „Durchschnittskunde“ mit einem Verbrauch von 18 000 Kilowatt spart dadurch 108 Euro pro Jahr.

In der Tendenz hatte Stadtwerke-Geschäftsführer Marc Bunse diese Preisentwicklung schon im Mai vorgegeben, jetzt hat der Aufsichtsrat sie abgesegnet. Auf dem Mittelaltermarkt gab das Unternehmen die Preissenkung mit Flyern und einem Aufsteller bekannt – „durchweg positiv“ sei die Reaktion des Publikums gewesen, berichtete anschließend Hendrik Siebecke, der den Stand betreute.

Bis vor etwa zehn Jahren war der Gas- an den Ölpreis gekoppelt. Dementsprechend hektisch entwickelte sich in manchen Jahren der Preis, vor allem in den Jahren 2005/2006 wurden die Tarife der Stadtwerke beinahe alle drei Monate angepasst und lagen deutlich höher als heute. Von dieser Koppelung hat sich das Unternehmen inzwischen weitgehend verabschiedet. Es kauft das Gas an der Börse. Zurzeit steigen dort die Gaspreise – aber das kann den Stadtwerken zunächst einmal egal sein: Sie schließen bevorzugt langfristige Verträge ab, das Gas fürs kommende Jahr hat das Unternehmen größtenteils schon im Frühjahr gekauft – und zwar zu einem günstigen Kurs, der die jetzt angekündigte Preissenkung ermöglicht. Die Art und Weise, wie die Stadtwerke ihr Gas beschaffen, ist genau geregelt, Bunse hat sich das Verfahren zertifizieren lassen. Ein „Certified Portfolio Management“ legt genau fest, wann wie Gas geordert wird, um möglichst optimal auf Marktbewegungen reagieren zu können.

Der Bruttopreis für eine Kilowattstunde Gas war zuletzt vor Jahresfrist gesenkt worden und lag seitdem bei 6,01 Cent. Zum 1. Oktober sinkt er auf 5,41 Cent. Damit bleiben die Stadtwerke der mit Abstand günstigste Grundversorger im ganzen Märkischen Kreis.

In Lüdenscheid zum Beispiel zahlen die von Enervie versorgten Kunden im Grundtarif zurzeit 6,84 Cent, in Werdohl werden seit einer Preissenkung Anfang des Jahres 6,3 Cent berechnet.

Neuer Tochterfirma "Lennergie"

Der Aufsichtsrat hat nicht nur der Preissenkung zugestimmt, sondern auch der Gründung einer neuen Tochterfirma. Sie heißt „Lennergie“ und versorgt Kunden, die nicht im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Altena wohnen. In der Startphase wird sie ihre Aktivitäten auf die Kommunen im Kreis beschränken, die von RWE versorgt werden. Dazu zählen zum Beispiel Balve, Neuenrade und Halver. Auch in Nachrodt-Wiblingwerde wird Lennergie aktiv.

Stadtwerkegeschäftsführer Marc Bunse

Bunse begründet dieses Engagement jenseits der Stadtgrenzen auch damit, dass es entsprechende Anfragen aus Nachbarstädten gegeben habe. Dass die Stadtwerke bisher nur der RWE Konkurrenz machen, begründete Bunse damit, dass man sich zunächst auf ein Netz beschränken wolle – das erleichtere das Abrechnungsverfahren.

Sollte Lennergie in den Nachbarstädten Kunden gewinnen, so müssten die Stadtwerke die dort erzielten Erlöse aufteilen: Einmal in den reinen Gaspreis, der an sie flösse, zum anderen in die Netzentgelte, die an RWE als Betreiber des so genannten Westnetzes weitergereicht werden müssten.

Bei der Preisgestaltung wurde darauf geachtet, die Altenaer Kunden nicht zu verärgern – „irgendwelche Kampfpreise entsprächen nicht unserer Philosophie“, stellt Bunse klar. Mit 5,25 Cent liegt zwar der sogenannte Arbeitspreis unter dem in Altena zu zahlenden, dafür ist der Grundpreis etwas höher.

Stadtwerke-Tochter will nicht der günstigste Anbieter sein

Folge: Bei einem Verbrauch von 20000 Kilowattstunden zahlen Kunden der Stadtwerke Altena 1145 Euro pro Jahr. Lennergie liefert diese Energiemenge für 1157 Euro an die Kunden in den Nachbarstädten. „Wechselprämien“ oder andere Vergünstigungen für Neukunden bietet Lennergie nicht an. Günstigster Anbieter kann und will die neue Stadtwerke-Tochter damit nicht sein.

Die Stadtwerke Maingau zum Beispiel liefern Gas für 4,37 Cent nach Nachrodt und verzichten zudem noch auf die Grundgebühr. Immerhin listet das Internet-Vergleichsportal Verivox Lennergie unter den 30 günstigsten Anbietern auf. „Einkaufen beim Nachbarn, den man kennt, den man schätzt, dem man vertrauen kann. Und zu dem der Weg nicht weit ist“

Solche und ähnliche Aussagen auf der inzwischen eingerichteten Lennergie-Homepage zeigen, welche Strategie das neue Unternehmen verfolgt: Es möchte sich als regionalen Anbieter etablieren, zu dem die Wege kurz sind und der bei Investitionsentscheidungen nach Möglichkeit Firmen vor Ort berücksichtigt. Diese Strategie verfolgen die Stadtwerke Altena, seit Bunse dort im Jahr 2009 Geschäftsführer wurde.

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