Schwerer Weg zu einem gerechten Frieden

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Annette Muhl-Nelson war als Gast der Friedensinitiative zu Gast in der Burg Holtzbrinck und referierte über gerechten Krieg und gerechten Frieden. Die Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche sieht den Frieden als Wagnis und Prozess.

Altena - Droht uns nach 70 Jahren wieder Krieg? Diese Frage konnte in der Burg Holtzbrinck letztendlich nicht geklärt werden. Am Freitagabend gab Annette Muhr-Nelson, Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche von Westfalen , aber eine Einschätzung zu den gegenwärtigen Konflikten.

Von Silvia Sauser

Eingeladen hatte die Friedensinitiative für Frieden und Abrüstung, allerdings blieben die Mitglieder bei dieser Veranstaltung weitestgehend unter sich. Sie wolle als Kirchenfrau und Friedensbeauftragte für den Frieden werben und nicht durch Fokussierung auf Gewalt und Krieg den Glauben an die Verheißung des Friedens kleinreden lassen, erklärte Muhr-Nelson. Der Weg müsse weg vom „gerechten Krieg“ und hin zur Gewaltlosigkeit führen.

Doch was ist ein „gerechter Krieg“? Nach der Definition und einem kurzen historischen Abriss über die Weiterentwicklung der Lehre vom „gerechten Krieg“ stellte die Superintendentin fest: „Die herkömmliche Annahme, dass man für eine gerechte Sache einen gerechten Krieg mit rechten Waffen führen könne, ist unter solchen Umständen nicht mehr aufrecht zu erhalten.“ Denn nach dem Zweiten Weltkrieg habe die erste Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen angesichts des mit Massenvernichtungsmitteln geführten totalen Krieges erklärt: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“

Doch ist „gerechter Friede“ möglich? Muhr-Nelson zitierte den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm: „Wer militärisch handelt, macht sich schuldig. Aber auch, wer nichts Wirksames gegen den Terror tut, lädt Schuld auf sich.“

Die Welt sei aus den Fugen geraten, es sei schwer, einen Weg aus dem friedensethischen Dilemma zu finden. Als Beispiele führte Muhr-Nelson die Waffenlieferungen an die kurdische Peschmerga und den Ukraine-Konflikt an. Man müsse urteilen und strittige und unstrittige Maßnahmen diskutieren, die Welt ins Gebet nehmen, humanitäre Hilfe leisten und die Einnahmen der Terrormilizen trockenlegen. Noch sei das Potential nicht ausgeschöpft. Bezogen auf das alltägliche Leben stellte sie fest: „Gewalt wird salonfähig. Sie findet tagtäglich auf dem Schulhof statt, bei Ballerspielen an den Computern und bei den Krimis im Fernsehen.“ Auch dem müsse man entgegenwirken, dürfe Gewalt nicht als normal ansehen. Muhr-Nelson endete mit einem Zitat Bonhoeffers: „Friede muss gewagt werden!“ Unterbrochen wurde der Vortrag von Friedensliedern, vorgetragen von Frank Neuhaus an der Gitarre.

Während der abschließenden Diskussion fungierte Detlev Paul vom Iserlohner Friedensplenum als Moderator, unterstützt von Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier. Die Beiträge der Zuhörer waren allerdings weniger Fragen an die Friedensbeauftragte, sondern Statements der Mitglieder der Friedensinitiative zur Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges, zu Atomwaffen und atomaren Endlagern sowie den offenen Konflikten in der Welt. Das Konfliktpotenzial der heutigen Welt mit ihren Massenvernichtungsmitteln wirke wie ein Brandbeschleuniger, stellte ein Zuhörer fest.

Abschließend mahnte ein Besucher, doch nicht nur zurückzuschauen, sondern den Blick nach vorne zu richten. Schon im alten Testament sei der Mensch von Gott gefordert, Gerechtigkeit zu stiften. Das Leitbild des gerechten Friedens ist klar umrissen als Prozess zur Verminderung von Gewalt, Not, Unfreiheit und Angst – der Weg dorthin allerdings ungleich schwerer.

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