„Hätten das Dirk und Marcel niemals zugetraut“

Dirk D. neben seinem Anwalt Lutz Mollenkott.

Altena - Sie drückten gemeinsam die Schulbank, wurden zusammen konfirmiert, spielten in der gleichen Band, kannten sich schon im Kindergartenalter: Langjährige Freunde der beiden Angeklagten wurden am Mittwoch, 6. Juli, im Brandstifterprozess als Zeugen gehört.

Absolut übereinstimmend und sehr glaubhaft schilderten alle vier, dass sie Marcel N. und Dirk D. diese Tat niemals zugetraut hätten: „Das sind ehrlich anständige Typen. Die machen sowas nicht“, sagte einer von ihnen. Alle vier fielen aus allen Wolken, als bekannt wurde, dass die beiden jungen Männer die Tat gestanden hatten.

Natürlich habe er versucht, anschließend mit Dirk D. über die Brandstiftung zu sprechen, schilderte ein 24-Jähriger ehemaliger Nachbar, der auch nach seinem Umzug nach Dortmund noch engen Kontakt zu seinem Kumpel – der Ausdruck trifft es wohl am besten – hielt. „Eher geschwiegen“ habe der Angeklagte auf die Frage nach dem Grund für seine Tat. „Man hat gesehen, dass ihm das Gespräch unangenehm war“. Geschämt hätten sich die beiden und zugegeben, dass sie „Mist“ gemacht hätten, berichteten alle Zeugen übereinstimmend.

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Wie standen die beiden zur Flüchtlingspolitik? Auch diesen Zeugen stellte die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschhagen entsprechende Fragen. „Groß thematisiert wurde das nicht“, sagte einer, andere schilderten, die wenigen Gespräche seien „neutral“ verlaufen – was die Richterin zu der erstaunten Frage brachte, wie denn eine „neutrale“ Diskussion über dieses Thema aussehe. 

Einer der Zeugen ließ daraufhin doch etwas tiefere Einblicke in seine Gefühlswelt und in die von Marcel N. zu: „Wir haben schon darüber geredet, dass es immer mehr werden“, sagte er. Man habe sich gefragt, ob unter den Flüchtlingen nicht auch Selbstmordattentäter sein könnten und sich auch Sorgen um die Freundinnen gemacht – schließlich sei immer wieder die Rede von Übergriffen „in Schwimmbädern und so“ gewesen.

Rechtsradikale Tendenzen machte keiner der Zeugen bei den beiden aus – wobei allerdings auch wenig bis gar nicht über Politik gesprochen wurde. Stattdessen traf man sich zu „Zockerabenden“ mit der Playstation – so auch wenige Stunden vor der Tat. „Völlig normal“ hätten sich die beiden damals verhalten, schilderten die Zeugen. Dabei hatten Dirk D. und Marcel N. auf dem Weg zu diesem Treffen noch eben einen Abstecher zur Tankstelle gemacht, um knapp fünf Liter Benzin zu kaufen. Nach dem Zocken schütteten sie etwa einen Liter davon auf dem Dachboden des Hauses an der Brandstraße aus und zündeten es an...

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