Stadt Altena korrigiert Kalkulation der Flüchtlingskosten

+
Die Unterbringung in Zeltstädten ist richtig teuer – weil Altena darauf verzichten kann, hält sich der Zuschussbedarf für die Betreuung von Asylbewerbern in Grenzen.

Altena - Die Kosten für die Flüchtlinge steigen drastisch – die Einnahmen dafür aber auch. Das geht aus einer Veränderungsliste hervor, die die Verwaltung im Sozialausschuss vorlegte. Danach geht sie von Ausgaben in Höhe von 4,86 Millionen Euro aus – das ist ein Vielfaches dessen, was bisher im Etatentwurf stand.

Beispiel Hilfe zum Lebensunterhalt: Bisher rechnete die Verwaltung auf der Basis von 300 Flüchtlingen mit Ausgaben von 750.000 Euro. Inzwischen geht sie davon aus, dass sie etwa 500 Flüchtlinge unterstützen und dafür 2,2 Mio Euro zahlen muss. Das entspreche etwa 360 Euro pro Flüchtling und Monat, was sich in den vergangenen Monaten als realistisch herausgestellt habe, erklärte Stadtkämmerer Stefan Kemper.

Die Miete für die Wohnungen, in denen die Asylbewerber leben, wurde bisher auf 90.000 Euro geschätzt, jetzt kalkuliert der Kämmerer mit 300.000 Euro. Ein weiterer großer Kostenblock ist die Krankenhilfe – der Haushaltsansatz dafür wurde von von bisher 283.000 auf 800.000 Euro hochgesetzt.

Unterm Strich summieren sich die Kosten für die Flüchtlinge auf 4,86 Mio. Euro. Dem stehen Einnahmen von 4,78 Mio. Euro entgegen – das ist dann ein realistischer Wert, wenn Bund und Land den Kommunen zukünftig tatsächlich jährlich 10.000 Euro pro Flüchtling zukommen lassen.

Andere Kommunen und auch der Städte- und Gemeindebund klagen, dass auch diese 10.000 Euro nicht reichen. Man könne die Ausgaben anderer nicht unbedingt mit denen von Altena vergleichen, sagte Uwe Krischer, der zuständige Abteilungsleiter. So habe Altena den Vorteil, für die Flüchtlinge preisgünstigen Wohnraum anmieten zu können.

Eine Unterbringung in Zeltstädten, wie sie in vielen anderen Städten praktiziert werden müsse, sei deutlich teurer: „Da kommt man dann tatsächlich auf 25.000 Euro pro Jahr und Flüchtling“. Auch das große ehrenamtliche Engagement vieler Altenaer wirke sich finanziell positiv aus, außerdem erleichtere es natürlich die Integration. Sowohl der Ausschussvorsitzende Reiner Kemmerling (SPD) als auch Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein dankten dafür ganz ausdrücklich.

Natürlich sei auch diese Kalkulation ein Blick in die Glaskugel, warnte Uwe Krischer – letztlich wisse keiner, wie viele Menschen 2016 nach Altena kämen. Es sei aber zugesagt, dass die Zuweisungen von Bund und Land zeitnah angepasst würden, ergänzte Kemper.

Diskutiert wurde nicht über die erheblichen Abweichung zu den vorherigen Zahlen. SPD-Ratsherr Helmut Göss wollte lediglich wissen, ob es möglich sei, die Hilfe zum Lebensunterhalt auch in Form von Lebensmittelgutscheinen zu gewähren, was bei Krischer nicht gut ankam: Er warnte vor dem damit verbundenen immensen bürokratischen Aufwand.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare