Ortstermin mit LWL-Denkmalpflege

Dahlmann - ein Fabriksken, wie aus dem Bilderbuch

Ulrich Glotz zeigt Denkmalpfleger Jürgen Wagener, wie der Gießer sich eine Form macht. Foto: Keim

Altena - Ulrich Glotz fand sich sehr schnell zurecht in der Firma Dahlmann. Der Iserlohner hatte bis 1981 selbst in einer kleinen Handgießerei gearbeitet und konnte die Abläufe in der ehemaligen Gießerei am Loerweg prima erklären.

Von „gutem Sand“, also Formsand, war da die Rede, von Gießlöffeln und Rahmen, von Handfegern, vom Verdichten mit einer handballgroßen Eisenkugel und vom Dengeln, dem vorsichtigen Lockern der Gießform. Das Handgießen war ein mühsames Geschäft und es geschah im Akkord. „Nicht viel laufen, alles in Reichweite haben“, brachte Glotz das Arbeitsprinzip auf den Punkt.

Am Donnerstag gab es am Loerweg einen Ortstermin mit Dipl.-Ing. Claudia Reck vom Denkmalschutz des Landschaftsverbandes LWL. Sie wird das Gutachten über die Bedeutung der alten Gießerei für die Altenaer Industriegeschichte schreiben. Dieser Expertise kommt dann im Verlauf des Verfahrens zur Unterschutzstellung große Bedeutung bei.

Das Besondere: Hier ist ein Blick in die Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts möglich. Die Metallwarenfabrik Gustav Dahlmann wurde 1869 gegründet. Der rote Ziegelbau in der typischen Industriearchitektur seiner Zeit mit grünen Fenstern auf sieben Achsen soll demnächst unter Denkmalschutz gestellt werden. Auf dem Gelände befinden sich außerdem ein Nebengebäude, in dem der Schmelzofen steht, und ein Gebäude, in dem einst das Kontor – also das Büro – untergebracht war. Die Firma verlegte sich auf Gießereiarbeiten unter anderem für den Bootsbau, stellte aber auch Artikel für die Innendekoration her. In den frühen Jahren wurden die Maschinen per Wasserkraft angetrieben. Ein Obergraben und das Wasserrad als zentrale Energiequelle sind teilweise erhalten. Was man kaum noch irgendwo zu sehen bekommt, sind die Transmissionsriemen zum Antrieb der Maschinen.

Im Untergeschoss sind die Antriebswelle des Wasserrades erhalten und Waschtrommeln für die Werkstücke. 100 Jahre alte Musterbücher und Geschäftsunterlagen gibt es auch. Für Denkmalpfleger Jürgen Wagner ist das Ensemble schlicht „ein Kleinod.“ Aber das hält auch jede Menge Arbeit bereit: Maschinen und sonstiges Inventar müssen katalogisiert werden, Unterlagen sind zu sichten.

Um den privaten Eigentümer des „Fabrikskens“ nicht rettungslos zu überfordern, plant Jürgern Wagner die Gründung eines Fördervereins. Die Vorarbeiten dazu laufen. Etwa Mitte November soll die Gründungsversammlung stattfinden.

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