Nach Schließung der Grundschule

Stadt Altena trennt sich von Turnhallen

Auch die Zukunft der Turnhalle am Nüggelnstück ist ungewiss. Auch diese Sportstätte könnte die Stadt nach Schließung der Hauptschule verkaufen. Ob Vereine zum Schnäppchenpreis zuschlagen können, ist in Anbetracht des Haushaltssicherungskonzepts unklar.

Altena - Die zukünftige Nutzung der Turnhalle Evingsen nach der Schließung der Grundschule im Sommer dieses Jahres, bot am Montagabend reichlich Diskussionsstoff bei der Jahreshauptversammlung der Handballabteilung in der TS Evingsen und dürfte auch bei der Versammlung des Gesamtvereins am Donnerstag, 17. März, das ebenso dominierende wie brisanteste Thema sein.

Dass der Hauptvorstand der TS Evingsen um Vereinschefin Rita Hosse den Kauf der 1958 eingeweihten Schulturnhalle in Erwägung zieht, war für die Handballer nach den vorangegangenen Versammlungen der anderen TSE-Abteilungen keine Überraschung mehr. Das Zahlenwerk, das der komplett anwesende geschäftsführende Hauptvorstand am Montagabend im Vereinslokal „Hugo inne Schledde“ präsentierte, sorgte allerdings für überraschte bis nachdenkliche Gesichter. 

„Die Stadt will 100 000 Euro für die Halle haben. Nach Angaben von Bürgermeister Dr. Hollstein steht die Halle bei der Stadt noch für 13 Jahre zu Buche“, ließ Hosse die Katze aus dem Sack: „Möglich ist ein Kauf oder Mietkauf über 20 oder 25 Jahre. Und wir hoffen natürlich, dass es bei der Summe noch Spielraum gibt.“ Weitere Gespräche mit der Stadt werden demnach folgen. Bleibt allerdings die spannende Frage, ob die Stadt die Halle unter dem Zwang des Haushaltssicherungskonzeptes überhaupt günstiger veräußern kann.

Die zunächst im Raum stehende Summe von 100 000 Euro dürfte nicht nur beim Hauptvorstand, sondern auch bei den Mitgliedern für chronische Bauchschmerzen sorgen. Denn die Turnerschaft hätte bei einem Kauf der Turnhalle, die für den Verein TS Evingsen laut Hosse von enormer Wichtigkeit ist, nicht nur die Finanzierung zu stemmen, sondern als Eigentümerin auch die anfallenden Nebenkosten wie Strom, Wasser, Versicherungen etc. zu tragen. „Wir rechnen, rechnen, rechnen“, betonte die Vereinsvorsitzende, die mit ihrem Vorstandsteam nach aktuellem Stand der Dinge mit einer jährlichen Belastung von etwa 12 000 Euro ausgeht – für den am 1. Januar 632 Mitglieder zählenden Mehrspartenverein eine starke Herausforderung.

Sollte sich die Turnerschaft für den Kauf der Schulturnhalle entscheiden, käme sie um Einsparungen auf der Ausgabenseite nicht herum. Und diese Einsparungen würden in erster Linie zu Lasten der einzelnen Abteilungen gehen, die nach einem Verteilerschlüssel jährlich eine gewisse Summe ausgeschüttet bekommen. Bislang zahlte der Hauptvorstand in Summe 15000 Euro an die Abteilungen aus, in diesem Jahr aber werden es wohl nur noch knapp 10000 Euro sein.

Von den Handballern wurde am Montagabend kritisch hinterfragt, warum die Stadt die Halle nicht für einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro loswerden wolle und was mit der Sportstätte passieren würde, wenn sich die Turnerschaft gegen einen Kauf entscheide. Unter anderem wurde das düstere Bild von einem eingezäunten und nach und nach verfallenden Schandfleck skizziert. Am Ende blieben es offene Fragen, deren Antworten allein die Stadt liefern kann.

Neben der Halle in Evingsen steht wegen der Schließung der Hauptschule Rahmede im Sommer auch deren Halle zur Disposition – am Sonntag wird das Thema bei der Jahreshauptversammlung des TuS Mühlenrahmede sein.

Vor der Diskussion um die Turnhalle wurden bei der Versammlung der TSE-Handballer aber auch Fakten geschaffen. Wilhelm Förster wurde als 2. Vorsitzender ebenso einstimmig für zwei Jahre wiedergewählt wie Roland Janson als Kassenwart, Eckart Steuber als Geschäftsführer und Timo Manke als Jugendleiter. Carsten Raulf ist neuer Ersatzkassenprüfer.

Abteilungsleiter Klaus Druskus warf mit Blick auf die Senioren einen zufriedenstellenden Blick in den Rückspiegel, Timo Manke berichtete von einer äußerst erfolgreichen Saison der aufstrebenden Jugendabteilung. Im Jahr 2015 erwirtschaftete die Handballabteilung nach Angaben von Kassierer Roland Janson ein Kassenplus von 724 Euro.

Kommentar von Thomas Bender

Gebt den Vereinen eine Chance

Keine Frage: Die bevorstehende Schließung der Turnhallen in Evingsen und in der Rahmede gehen den dortigen Sportvereinen an die Substanz. Es ist kaum anzunehmen, dass TuS-Hausfrauen oder TSE-Mutter-Kind-Gruppen den weiten Weg in die Stadt auf sich nehmen, um dort ein Stündchen Sport zu treiben. Mal ganz abgesehen von der Frage, ob die Kapazität der bleibenden Hallen überhaupt ausreicht, ihnen dort noch Trainingszeiten einzuräumen. Schlimm genug, dass in diesen Stadtteilen die Schulen schließen müssen – sie stiften ebenso Identität, wie das die Ortsvereine tun. 

Deswegen muss die Stadt alles dafür tun, nicht auch noch deren Existenz aufs Spiel zu setzen. Dazu gehört auch, dass sie den Vereinen in der Frage der Hallenübernahme so weit wie nur irgend möglich entgegen kommt und von ihren deutlich überzogenen Forderungen abrückt. Die 100 000 Euro, die die Stadt als Kaufpreis für die Evingser Halle ins Spiel gebracht hat, müssen deshalb schnell vom Tisch. Dieser Preis ist auch unrealistisch. 

Die Stadt hat hier offenbar einen Buchwert angesetzt, also eine mehr oder weniger fiktive Größe. Dass irgendwer bereit ist, in Altena für eine Immobilie dieser Art so viel Geld zu zahlen, darf angesichts des Altenaer Grundstücksmarktes bezweifelt werden. Ankauf der Halle für einen Euro – das hat am Montag ein Mitglied der TS Evingsen in den Raum gestellt. So ganz falsch ist dieser Ansatz nicht: Für die Stadt wäre das immer noch günstiger als ein Leerstand oder gar der von der Gemeindeprüfungsanstalt ins Gespräch gebrachte Abbruch. Und dass es nicht so einfach ist, kommunale Immobilien zu vermarkten, hat die Stadt schon mehrfach erfahren müssen – besser, sie schenkt den Vereinen die Hallen, als dass es dort in ein paar Jahren so aussieht wie rund ums Linscheidbad.

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