Technik aus den 50ern verschwindet

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Ein Schmuckstück: Die Druckluftzentrale zeugt davon, dass das Werk stets vorbildlich gewartet wurde.

Altena - Schöne Oldtimer gibt es nicht nur auf der Straße: Auch im Enervie-Umspannwerk an der Hugo-Borbeck-Straße werkelt Technik aus den 50ern – bestens gewartet und nicht nur deshalb schmuck anzusehen. Trotzdem muss sie jetzt weichen.

Die Anlieferung zweier neuer Trafos war nur der Anfang: 4,25 Mio. Euro will die für das Netz zuständige Konzerntochter Enervie vernetzt in den kommenden Monaten investieren, um die Anlage auf den neuesten Stand zu bringen. Jörn Einhaus, der für die Hochspannungsanlagen zuständige Teamleiter, nennt die Gründe: Die Komponenten seien in die Jahre gekommen, ihre Störanfälligkeit nehme damit zu. Außerdem seien Ersatzteile schlecht bis gar nicht mehr zu bekommen.

Lenneleitung eins, Lenneleitung zwei – so heißen die beiden 110 Kilovolt-Leitungen, die ganz oben unterm Dach in das Gebäude münden. Schaltfelder stehen dort, auf denen Druckluftschalter regeln, welche der beiden Leitungen in Betrieb genommen (und damit auf den Trafo geschaltet) wird – es wird nur eine benötigt, die zweite ist für Störungsfälle da. Grundsätzlich gilt, dass alle wichtigen Komponenten doppelt vorhanden sind, damit im Störungsfall die Stromversorgung stabil bleibt.

Von den Schaltfeldern fließt der Strom über Stromschienen aus Kupfer zu den neuen Umformern, wo er auf 10 Kilovolt herunter transformiert wird. Dann geht es weiter in die 10000 Volt-Schaltanlage mit vielen Schaltschränken – nämlich einen für jede der kleineren Trafostationen, die übers ganze Altenaer Stadtgebiet verteilt sind und in denen der Strom dann auf „haushaltstaugliche“ 230 bis 400 Volt gebracht wird.

Am Montag begannen die Vorarbeiten für die Modernisierung, die bis Ende 2017 dauern wird. Sie findet so statt, dass das Umspannwerk in Betrieb bleiben kann. Ziel sei es auch, für mehr Sicherheit zu sorgen, erklärt Björn Rostek, der das Projekt leitet. Die Stromschienen liegen zwar (meistens) außerhalb der Reichweite, aber völlig offen. Sie werden demnächst eingekapselt, was die Sicherheit der Mitarbeiter deutlich erhöht.

Dass sich Menschen in dem großen Gebäude aufhalten, ist heute allerdings nicht mehr die Regel. Bis in die 80er Jahre gab es dort eine rund um die Uhr besetzte Leitwarte, dann wurde das Werk mit der Leitwarte in Hagen-Garenfeld verbunden und wird seitdem von dort gesteuert.

Das werde zukünftig deutlich optimiert, weil viel mehr Daten als bisher übermittelt würden, erklärt Rostek.

Die Rundum-Erneuerung dient auch der „Leistungsanpassung“ des Umspannwerkes.

Ursprünglich war es für eine Abgabe von 60 Megawatt konzipiert, heutzutage reichen 40. Beim Ortstermin am Donnerstag flossen gerade mal 14 Megawatt ins Netz.

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