"Faszination" Gaming: Mutter möchte keine Leute erschießen

Burggymnasium Altena Eltern-Lan
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TrackMania Nations Forever ist eine Autorennen-Simulation. Die Teilnehmer hatten mit diesem Spiel viel Spaß und fuhren auch Rennen gegeneinander.

Altena - Was gibt es überhaupt alles in der Gaming-Welt? Welche Spiele spielen Kinder und Jugendliche? Was gibt es zu beachten beim Mobile Gaming? 

Die Medienpädagogen und Referenten der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) Franz Philipp Dubberke und Horst Pohlmann halfen Eltern, Lehrern und Sozialpädagogen dabei, die Faszination der Kinder am Gaming zu verstehen: Wie kann es passieren, dass man die Zeit beim Spielen vergisst? 

„Wir haben das Ziel, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, solche Spiele auch selber auszuprobieren und ihnen so insgesamt einen guten Überblick zu bieten“, sagte Dubberke. An Laptops konnten die elf Teilnehmer der Eltern-Lan am Mittwochabend im Burggymnasium (BGA) selbst in die Welt des Gamings eintauchen. Hans-Ulrich Holtkemper, Schulleiter des BGA, erhoffte sich zu Beginn des Workshops, „den Spiel- und Suchtfaktor kennen zu lernen.“ 

Nach einem einführenden Vortrag wagten sich die Teilnehmer zuerst an den Autorennen-Simulator „TrackMania Nations Forever“ und hatten dabei viel Spaß, so Sabrina Bräunig, Lehrerin am BGA. Sie seien mit viel Elan dabei gewesen. „Ich hänge in der Menschenmenge fest“, stellte Holtkemper belustigt fest. Andere Teilnehmer blieben in der Wand stecken. 

Call of Duty sorgte für geteilte Meinungen

Die Laptops mitsamt Zubehör für die Eltern-Lan im Burggymnasium stellte das Unternehmen bitkom zur Verfügung. So konnte das Seminar einfach in einem Klassenraum der Schule stattfinden.

Bei „Call of Duty“ – ein Egoshooter im Militärszenario und ab 18 Jahren frei – sah das ganze schon wieder anders aus: Nicht alle hatten Spaß. Eine Mutter hörte nach kurzer Zeit auf: „Ich finde das ganz furchtbar, ich mag nicht mehr. Ich möchte nicht auf Leute schießen.“ Andere – und da vor allem die Väter – hingegen versuchten in das Spiel hineinzufinden und entwickelten Taktiken. „Sie verschanzten sich zum Beispiel, sodass sie keiner sehen konnte“, so Bräunig. 

„Die anschließende Nachbesprechung war sehr lebendig“, berichtete die Lehrerin. Es entstand eine moralische Diskussion. Ist es nicht verwerflich Kriegszenarien zu spielen? Mit dem Blut seien einige Games schon sehr abstoßend. Was ist, wenn ein 16-Jähriger das spielen möchte? Was mache ich dann? Mache ich mich als Mutter oder Vater strafbar, wenn ich es erlaube? – all diese Fragen hatten sich bei den Anwesenden aufgetan und wurden mit den Medienpädagogen geklärt. „Man macht sich nicht strafbar. Zuhause hat man die erzieherische Hoheit.“ 

Auch die Dauer der Spielzeit wurde am Beispiel eines 12- Jährigen thematisiert. Dubberke und Pohlmann empfahlen, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Man solle offene Unterhaltungen führen und gemeinsame Regeln entwickeln, dann würden die auch eher eingehalten werden. Abschließend stellte ein Vater, der selbst schon Egoshooter gespielt hatte, fest: „Ich dachte eigentlich, dass ich gut aufgestellt sei. Aber ich habe heute viel gelernt.“ 

Gigantischer Gaming-Markt in Deutschland

Die Anwesenden waren nicht nur über die Härte einiger Spiele wie „Call of Duty“ überrascht, auch der gigantische Gaming-Markt erstaunte so manchen. Allein der Umsatz mit virtuellen Gütern – Diamanten beispielsweise die man mit „Echtgeld“ für ein Spiel kaufen kann – betrug 2011 in Deutschland 233 Millionen Euro. Der Markt wachse massiv weiter. Aber die beiden Referenten konnten die Runde beruhigen: „Der Markt für Bücher ist noch größer.“ Und Dubberke ergänzte: „Noch trifft man sich! Freunde treffen ist laut Umfragergebnissen immer noch auf Platz 1 der Freizeitbeschäftigungen junger Leute.“ 

Sabrina Bräunig, auch zuständig für die Medienerziehung am BGA, hatte den Workshop organisiert. „Wir als Schule wollen aufklären“, sagte sie. „Gaming“ sei auch mit den Schülern thematisiert worden. Einige haben eine „League of Legends“-Gruppe gegründet und betreiben gemeinsam diesen E-Sport. „Wenn wir gut sind, können wir im Finale auf der Gamescom spielen“, freute sich Bräunig.

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