Der Burg-Aufzug hat Geburtstag

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Bund, Land und EU trugen 90 Prozent der Kosten – deshalb durfte Bauminister Groschek das Band durchschneiden.

Altena - Erst ein Jahr alt – und doch schon ganz schön groß und stark: Am 26. April 2014 weihte der NRW-Bauminister Michael Groschek den Burgaufzug ein. Damit feiert er am Sonntag seinen ersten Geburtstag.

Zwölf turbulente und ereignisreiche Monate liegen damit hinter dem Projekt, das letzten Endes etwas über sieben Millionen Euro gekostet hat – es bedurfte einiger Anstrengungen, den städtischen Anteil an dieser Kostensteigerung zu finanzieren. Zu den Turbulenzen gehörte auch, dass es zwischendurch feucht war im Schacht, die Aufzugtechnik immer mal wieder Probleme macht und dass bis heute nicht geklärt ist, wie kleine Kinder die „Gucklöcher“ in einigen der Multimedia-Installationen eigentlich erreichen sollen. Ganz zu schweigen vom Schaukasten, der vor dem Aufzug da aufgehängt werden soll, wo noch immer nur Kabel aus der Wand ragen. Das hat seinen Grund darin, dass das Vorzeigeprojekt keinen ganz normalen Schaukasten bekommt, sondern ein Designstück mit viel Technik, das von Klaus Hollenbeck geplant wird. Der Kölner Architekt erhielt für den Burgaufzug einen Architekturpreis.

Soviel zu dem, was noch nicht ganz rund läuft. Mehr als aufgefangen wird all das durch den Erfolg, mit dem so keiner gerechnet hat. Mit Eröffnung setzte ein wahrer Run auf Aufzug, Burg und Stadt ein. Daria Fikus, von Anfang an Betriebsleiterin der Anlage, kann mit einer Fülle imposanter Zahlen aufwarten. 79 500 zahlende Besucher haben den Aufzug im ersten Jahr genutzt , gerechnet hatte man mit 50 000. Fikus und ihre Kolleginnen registrierten 300 Gruppenankünfte mit durchschnittlich 27 Personen, verkauften 6000 Familien- und 16 000 Kinderkarten. Völlig überrascht wurde man vom Erfolg der Dauerkarten – 500 wurden verkauft, nur 200 Plastikkarten hatte die Stadt im ersten Schub geordert. Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein (der selber eine hat) berichtet von einer 90-Jährigen an der Klusenstraße, die sich bei ihm für den Aufzug bedankt hat – sie nutzt ihn regelmäßig, um ihre Einkäufe nicht mehr den Berg hochtragen zu müssen.

Gerade am Anfang brachte der Aufzugsboom die Mitarbeiter manchmal an ihre Grenzen – Hollstein erinnert sich an den Maifeiertag 2014, als ihn ein entsprechender Hilferuf erreichte und er kurzerhand als Verstärkung einsprang – nicht nur bei dieser Gelegenheit seien ihm in der Anlage Altenaer begegnet, die sich im Vorfeld ablehnend geäußert hätten, dann aber einräumen mussten, dass der Burgaufzug seinen Sinn erfüllt.

Der besteht ja nicht nur darin, den Gästen den Aufstieg zur Burg zu erleichtern – es geht vor allem auch darum, sie in die Innenstadt zu locken und diese so zu beleben. Dass das gelingt, ist offensichtlich – sonntags sind Parkplätze an der Lennepromenade oft Mangelware, selbst an sonnigen Werktagen ist auf den Lenneterrassen oft kein Stuhl mehr frei – und es sind beileibe nicht nur Altenaer, die dort ihren Feierabend genießen, wie ein Blick auf die Autokennzeichen beweist.

Am „echten“ Geburtstag wird – wenn überhaupt – allenfalls im kleinen Kreis gefeiert. Die offizielle Party folgt am 9. und 10. Mai, wenn die zweite Pop-up Runde startet. Darunter versteht man bekanntlich jene Aktion, mit der die Stadt leerstehende Ladenlokale zu günstigen Konditionen an Menschen vermittelt, die dort ihr Glück als Geschäftsleute versuchen wollen. Die erste Runde hat dazu geführt, dass sich einige Läden dauerhaft etablierten. Auch für die zweite gebe es viele Interessenten, verrät der Bürgermeister – im engeren Innenstadtbereich sei dann nur noch eine Handvoll Läden frei. Einige davon seien einfach problematisch – zum Beispiel wegen Feuchtigkeit oder (wie der ehemalige Kaiserhof) wegen ihres Zuschnitts.

„Verstetigung, Verstetigung, Verstetigung“ – darum müsse es jetzt gehen, sagt Hollstein – der Aufzug sei kein Selbstläufer, um den Erfolg müsse ständig neu gerungen werden. Auch dabei spielt Daria Fikus eine wichtige Rolle: Sie verantwortet nicht nur den Betrieb der Anlage, sondern hat auch für die Werbung zu sorgen – im Moment zum Beispiel mit Plakataktionen im Ruhrgebiet. Für sie sei es am schönsten, die Freude der Kinder zu erleben, wenn sie mit dem Burghard-Kostüm unterwegs sei, berichtet sie. Die von Tanja Graumann konzipierte, freundliche Fledermaus hat übrigens inzwischen viele gleichgesinnte Freunde gefunden – andere Maskottchen dieser Art, die versprochen haben, am 10. Mai zur Geburtstagsparty zu kommen.  -  Von Thomas Bender

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