Freunde der Burg retten das Andenken von Diederich von Ovelacker

Ehrenplatz für Altenaer Grabplatte

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Geborgen und gereinigt gibt die Grabplatte viel von Diederich Ovelacker preis. Unter anderem, welcher Ahnenreihe er entstammte und welchen Wirkungskreis er hatte. Nun liegt das schwere Stück Gestein an prominenter Stelle neben dem Lutherkirchen-Altar.

Altena - Ja, eine Alternative zur Bergung der Grabplatte von Diederich von Ovelacker gab es: „Wir hätten sie fotografieren und wieder zuschütten können“, berichtete Kirchmeisterin Karin Thomas. 

Aber es gibt ja zum Glück die Freunde der Burg Altena: Sie wendeten 3500 Euro auf, um den 400 Jahre alten Schatz zu bergen und ihm einen würdigen Platz in der Kirche zu geben. Und diese Entscheidung war gut, davon überzeugten sich Bernd Falz, Hans Ludwig Knau und Dr. Christiane Todrowski gestern vor Ort. Sanierungs-Architektin Dorothea Ossenberg-Engels, Kirchmeisterin Karin Thomas und Pfarrerin Merle Vokkert führten durch das mittlerweile vom Gerüst befreite Kirchenschiff. 

Ehrenplatz links des Altars

Darin klafft natürlich nun ein Loch, das zur Sicherheit der Bauarbeiter mit einer dicken Palette überdeckt ist. Denn sie ist sehr massiv, jene Grabplatte von Diederich von Ovelacke, die nun links des Altars einen Ehrenplatz bekommen hat. „Auf altem Kirchenstein und vier massiven Holzklötzen wird sie gelagert“, berichtete Dorothea Ossenberg-Engels. 

Gestern überzeugten sich die Freunde der Burg vor Ort: Die Platte zu retten war eine gute Idee.

Karin Thomas hatte die Bergung durch die Firma Meyer begleitet. „Das war kein leichtes Unterfangen...“ Die Freunde der Burg hatten gute Gründe, das barocke Schmuckstück bergen zu lassen: „Droste Diederich von Overlacke war ein ganz bedeutendes Bindeglied zwischen Burg, Kirche und Stadt“, betonte Historiker Hans Ludwig Knau gestern. 

„Ihm haben es die Altenaer zu verdanken, dass sie nicht schon vor 400 Jahren der Zwangsreformation unterliegen mussten. Die stolzen Lutheraner wollten Lutheraner bleiben. Dafür hat von Overlacke gesorgt.“ Die Fehde der Protestanten ist längst Geschichte, heute leben die Altenaer friedlich uniert ihren Glauben unter einem gemeinsamen Kirchendach. 

Im Dezember 2015 entdeckt

Dass eine gute erhaltene Grabplatte unter den Kirchenbänken ruhte, ahnte niemand - bis im Rahmen der Brandsanierung der Kirche auch der Boden untersucht werden musste. Im Dezember 2015 tauchte der Schatz schließlich auf. Das durch Karin Thomas informierte Denkmalamt nahm den Fund zwar recht freudig zur Kenntnis, sah aber von jeglicher Unterstützung zur Konservierung des Steins ab. 

„Wir haben darüber gar nicht groß diskutiert“, schilderte Dr. Christiane Todrowski gestern die Entscheidung der Freunde der Burg. Hans Ludwig Knau ergänzte: „Wir arbeiten gerade auch den Reformationsstreit historisch auf. Diese Grabplatte ist schon ein ganz bedeutendes Zeitdokument.“ Über das Wirken Diederichs von Ovelacker hat Knau bereits rund dreißig Seiten Material zusammengetragen. Auch Pfarrerin Merle Vokkert ist über Informationen zum Leben des Amtmannes dankbar, um sie den Kirchenbesuchern öffentlich zu machen. 

Christlicher Nächstenliebe zugetan

Dass Ovelacker durchaus der christlichen Nächstenliebe zugetan war, zeigt eine Verfügung in seinem Testament: Im Jahr 1633, als Diederich von Ovelacker starb, wurden 500 Reichstaler aus seinem Vermögen so zinsbringend angelegt, dass vier mal im Jahr Speck und Brot an die Armen in Altena und Hemer verteilt werden konnten. 

Auch seiner Witwe Christine von Wachtendonk war das ein Anliegen: Auch ihre Erben sollten noch so verfahren. Dass dem Drosten ein ehrendes Andenken bewahrt werden sollte, versteht sich von selbst.

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