Ehrenamtliche Hospizmitarbeiter gesucht

+
Zur Infoveranstaltung am Montag fanden sich über 40 Gäste im Lutherhaus ein. Die Initiatoren des Projektes brauchen für die Startphase 15 Helfer – dann kann nach den Sommerferien mit den Ausbildungsmodulen begonnen werden.

ALTENA - Am Sterbebett wird viel gelacht. Hans Wehr, der vor zweieinhalb Jahren als Mitarbeiter des ambulanten Hospizes Nachrodt-Wiblingwerde einstieg, kann das bestätigen. Er hat viel zurückbekommen von den Menschen, die er in ihrer letzten Lebensphase begleitet hat. Jetzt werden auch Altenaer Bürger ermutigt, sich an der Gründung einer aufsuchenden Hospizbewegung zu beteiligen.

Zur Infoveranstaltung am Montag fanden sich über 40 Gäste im Lutherhaus ein. Die Nachrodter Gruppe hatte sich einst von Bürgern für Bürger aus der Gemeinde gegründet. Aber die haben die Dienste bislang nicht in Anspruch genommen. „Wir wurden von Menschen aus Altena gerufen”, berichtet Hans Wehr. Er steht nicht allein da mit seiner Vermutung: Es fällt Sterbenden leichter, sich in der letzten Lebensphase mit Menschen zu unterhalten, die ihren Lebensweg vorher nicht gekreuzt haben.

Dass Erkrankte aus Nachrodt-Wiblingwerde und ihre Angehörigen mal die Dienste des Altenaer Hospizdienstes in Anspruch nehmen, sei also wahrscheinlich.

Sofern sich innerhalb der kommenden Wochen mindestens 15 Bürger für die Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter finden, könnte die Arbeit bereits nach den Sommerferien mit den Modulen aufgenommen werden. 86 Unterrichtseinheiten, monatlich auf Samstage und Dienstage verteilt, umfasst der Weg zu diesem besonderen Ehrenamt. Ute Gall vertritt den Lüdenscheider Verein „Die Arche”. Die ehemalige Altenaerin ist Krankenschwester, Pflegedienstleiterin, Trauerbegleiterin und Altenaer Bürgern besonders als Mitbegründerin des Trauercafés Momo bekannt.

Sie bildet ehrenamtliche Hospizmitarbeiter aus. Mitmachen kann jeder, der sich dazu berufen fühlt. Nicht das Alter zählt, sondern die Lebenserfahrung. Dass sich viele Menschen als Hospizmitarbeiter qualifizieren, ist wichtig für die Nutzer des Angebots. „Die Arche” als Vermittler der ehrenamtlichen Mitarbeiter achtet darauf, dass ein Sterbebegleiter ins Haus kommt, der „passt”.

Ute Gall erklärte: Ehrenamtliche Hospizmitarbeiter übernehmen keine pflegerischen Tätigkeiten. Auf Wunsch dürfen sie mal ein Kissen aufschütteln oder das Wasserglas anreichen. Was über Kleinsthilfestellungen hinaus geht, übernimmt der Pflegedienst oder der pflegende Angehörige.

Der Ehrenamtliche leiht seine Stimme und sein Ohr. Sowohl dem Sterbenden, als auch seinen Angehörigen. Die können die Zeit des Besuchs für Erledigungen nutzen – oder selbst mit dem Gast ins Gespräch kommen.

Vermittelt werden Hospizmitarbeiter im Märkischen Kreis über den Palliativen Konsiliaren Dienst (PKD), dem auch der Altenaer Arzt Dr. Joachim Matuszewski angehört. „Wir sind neun Ärzte und fünf Krankenschwestern und 24 Stunden erreichbar”, erklärte er im Lutherhaus. Der PKD arbeitet mit den Hausärzten und Pflegediensten zusammen.

Die letzte Lebensphase soll schmerz- und stressfrei sein. Dafür will das Netzwerk sorgen, indem es eben auch psychisch entlastende Möglichkeiten wie den Besuch eines Hospizmitarbeiters anbietet.

Auch in Altena spinnt sich bereits ein Netzwerk: St. Vinzenz-Krankenhaus, Ellen-Scheuner-Haus und alle katholischen und evangelischen Kirchengemeinden tragen die Ausbildung der Mitarbeiter. Die Aspiranten müssen so nur 50 Euro Eigenanteil für ihre Ausbildung zahlen. „Wir finden aber auch eine Lösung für Menschen, denen diese 50 Euro wehtun!”, erklärte Pfarrerin Merle Vokkert als Moderatorin.

Die Kirchengemeinden, das betonten auch die Pfarrer Uwe Krause und Ulrich Schmalenbach, begrüßen die seelsorgerische Ergänzung, die ein Sterbebegleiter in jeden Haushalt mitbringt. Eingesetzt werden die Mitarbeiter aber auch in Krankenhaus und Pflegeheimen, wo sie fast dringender gebraucht werden, als im häuslichen Familienverbund, wie Vinzenz-Chefarzt Jens Linderhaus erklärte: „Ich kann für alle Ärzte und Schwestern des Hauses sprechen: Wir brauchen Menschen, die sich um Menschen kümmern, wenn ihr Lebensweg zu Ende geht. Machen Sie mit!”, ermutigte der Mediziner den Zuhörerkreis.

Die ersten Interessenten trugen sich am Montag bereits in eine Liste für weitere Informationsveranstaltungen ein. Bürger, die sich anschließen möchten, nehmen Kontakt zu Ute Gall unter Tel. 02353/661675 auf.

Von Ina Hornemann

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare