Edmund Gehrlein flechtet in siebter Generation

Ein Korb für jede Gelegenheit

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Korbmacher Edmund Gehrlein ist einer der letzten seines Standes.

Altena - Edmund Gehrlein verteilt reihenweise Körbe und trotzdem liegen ihm die Frauen im Café der Burg Altena zu Füßen.

Der humorvolle Rheinland-Pfälzer ist als Korbmacher einer der letzten seines Standes - und das bereits in siebter Generation. Das Reisen ist zu seinem Hauptbroterwerb geworden, seitdem der örtliche Handel kaum noch handgeflochtene Weidenkörbe anbietet. Mittealtermärkte und Freilichtmuseen buchen ihn - oder wie aktuell die Museumsleitung von Burg Altena, damit Menschen dieses schöne alte Handwerk noch sehen und erlernen können.

Noch sehen und begreifen

„Abkanten und drei Runden binden!“ erklärt Edmund Gehrlein den sieben Teilnehmern des Samstagsworkshops, nachdem er die 24 Fußweiden säuberlich in den rundgeflochtenen Boden eingesteckt und durch geschicktes Abknicken zur Seite so präpariert hat, dass sich das flexible Holz nach oben aufrichten lässt, ohne zu brechen. Das Frühjahr ist die beste Zeit, einen Korb zu flechten. Die Zweige sind frisch geerntet und haben ausreichend Restfeuchtigkeit, so dass sie biegsam sind und sich leicht verarbeiten lassen. Für Sommerworkshops muss Gehrlein sie einweichen und bis auf ein gewisses Maß wieder austrocknen lassen, um die ideale Verarbeitungsgrundlage zu bilden.

Verarbeitungsgrundlage

Daran denkt der Korbmacher jetzt aber noch nicht: „Die aktuelle Ernte war fantastisch. Am liebsten würde ich es jetzt komplett verarbeitet wissen.“ Weiden in ihren verschiedenen Arten sind für Edmund Gehrlein ein einzigartiger Rohstoff. „Fast überall verfügbar, wo Gewässer sind. Seit Jahrtausenden nutzen Menschen diese Bäume zur Herstellung von Gefäßen, das steht ja schon in der Bibel“, erklärt der Korbmacher und verweist auf die Geschichte von Mose, der in einem Körbchen den Fluss hinab geschickt wurde. Wahrscheinlich setzten bereits die Ägypter Körbe zum Pyramidenbau ein. „Mit etwas Übung sind sie auch schnell hergestellt“, erklärt der Kursleiter und zeigt, wie aus sechs Bodenhölzern ein Flechtfenster für die runde Basis eines Korbs entsteht.

Zwölf Enden

An dessen zwölf Enden werden zum Ende dieses Arbeitsschritts 24 Aufrichter eingesteckt, die zuvor schräg angeschnitten werden müssen. An ihnen kann die Korbwand entstehen. Der oder die Henkel kommen zum Schluss dran. Edmund Gehrlein macht sich immer Gedanken darüber, was ein Korb können muss: Ist er zum Einkaufen, für Zeitungen oder Kartoffeln gedacht? Jede Nutzung bringt verschiedene Herstellungsbedürfnisse mit sich. Die haben sich auch Edmund Gehrleins Gäste gut überlegt. Gelockt hat sie vor allem eins: „Ein richtig schönes, altes Handwerk zu erleben!“ Und das macht richtig Spaß!

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