Kaum noch Schulklassen im Haus auf Juist

Ihnen gefällt es gut auf Juist: Die Klasse 4a der Grundschule Mühlendorf gehört zu den wenigen, die das Haus auf Juist noch nutzen. Heute kehren die Jungen und Mädchen nach Altena zurück.

Altena - Einen Gruß aus Juist schickt die Klasse 4a der Grundschule Mühlendorf – inzwischen ein Nachricht mit Seltenheitswert. Im vergangenen Jahr nutzte nur eine einzige Klasse aus Altena das Kinder- und Jugenderholungsheim. Dieses Jahr fahren immerhin vier Schulen aus der Burgstadt dorthin.

Früher war das anders: Es dürfte vor 10, 15 Jahren kaum ein Altenaer Schulkind gegeben haben, dass nicht wenigstens einmal auf der Insel war. Zwischen Ostern und Oktober sei das Haus früher außerhalb der Ferien durchgängig von Schulklassen belegt gewesen, erinnert sich Marlies Becker. Als Geschäftsführerin des Trägervereins organisiert sie die Belegung.

Vorteil damals: Es gab eine Buskette. Immer freitags wurde gewechselt. Ein Bus fuhr eine Klasse aus Altena zum Hafen von Norddeich, wo die Juist-Fähre startet. Die „Vormieter“ sammelte er dort ein und fuhr sie zurück nach Altena, was die Kosten für Klassenfahrten deutlich nach unten drückte.

So funktioniert das auch, wenn die Mühlendorfer Grundschüler heute mit ihren Lehrern Sandy Kampshoff und Frank Loska nach Hause fahren: Der Bus bringt eine Klasse des Burggymnasiums mit, die in der kommenden Woche das Haus belegt hat. Das seien inzwischen aber seltene Glücksfälle, bedauert Becker.

Warum das Interesse der Schulen an Juist zurückgeht? Marlies Becker mag da nicht spekulieren – Fakt ist aber, dass immer mehr Lehrer sich für professionelle Anbieter von Klassenfahrten entscheiden, die ihnen ein „Rundum-Sorglos-Paket“ bieten. Ein Aufenthalt auf Juist ist nämlich mit einigem organisatorischen Aufwand verbunden. Das Haus ist ein Selbstversorger-Haus - das bedeutet, dass die Nutzer sich um ein Küchenteam kümmern und möglichst schon in Altena Lebensmittel einkaufen müssen. Bus und Fähre müssen gebucht werden, nach Möglichkeit auch Leihfahrräder auf der (autofreien) Insel. „So schlimm ist das aber alles gar nicht“, versichert die Geschäftsführerin, die Nutzern gerne mit Rat und Tat zur Seite steht. Auch die Endreinigung, die von allen Gruppen zum Schluss erwartet wird, sei „eine Sache von zwei Stunden, wenn alle mit anpacken“.

Trotz des rückläufigen Interesses der Altenaer Schulen ist das Haus in der Saison lückenlos belegt. „Wir bieten es inzwischen zum Beispiel für Familien an, die noch keine schulpflichtigen Kinder haben“, erklärt Marlies Becker. Auch auswärtige Schulen gehören seit einigen Jahren zu den Nutzern, eine Waldorfschule in Hannover ist sogar „Stammkunde“.

Unschlagbarer Vorteil des Hauses ist der Preis: Die Miete für das komplette Haus kostet für Altenaer 55 Euro pro Tag, Auswärtige zahlen immer noch günstige 80 Euro. Hinzu kommt eine Energiepauschale von 150 Euro pro Woche – billiger kann Urlaub auf einer deutschen Nordseeinsel kaum sein, wenn sich zwei oder drei Familien zusammentun. Möglich ist das deswegen, weil das Haus rein ehrenamtlich verwaltet und gepflegt wird und der Förderverein regelmäßig Spenden erhält.

Anfragen zur Belegung in 2017 an Marlies Becker, Tel. 02352/209 205.

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