TV-Film über Altenaer Musiker

Willi Heckmann mit Akkordeon, aufgenommen 1956.

Altena - Der WDR sendet am Mittwoch, 23. Dezember, im Nachtprogramm einen Dokumentarfilm über einen bekannten Sohn der Stadt Altena, den Musiker Wilhelm Heckmann. Der Film „Klänge des Verschweigens“ rekonstruiert das dramatische Leben des Sängers und Pianisten Wilhelm Heckmann.

Im Laufe des Films treten mehrere Altenaer Personen in Erscheinung, außerdem spielen mehrere Schauplätze der Stadt im Bereich Kirchstraße, Freiheitstraße und Fritz-Thomee-Straße eine Rolle.

Der hochtalentierte Sänger Heckmann, geboren 1897, kam als dreijähriges Kind im Jahr 1900 mit seiner Familie nach Altena und lebte dort bis 1920. Anschließend trat er als Unterhaltungsmusiker über sechs Jahrzehnte in ganz Deutschland und der Schweiz auf. Die Presse hatte seine Auftritte vielfach gelobt, so noch im April 1937:

„Willi Heckmann, der musikalisch gar nichts vermissen lässt ...“ „...erfreut sich bei Direktion wie Publikum des besten Rufes...“ „Man hört selten einen Musiker mit einer so guten und schönen Stimme – Opernarien oder Schlagerkehrreime, alles gleich gut.“

Wenig später wurde er unter ungeklärten Umständen von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager eingewiesen. Heckmann war im KZ Dachau, später Mauthausen, und verbrachte insgesamt fast acht Jahre in KZ-Haft. Die letzte Spur vor seiner KZ-Einweisung ist ein Eintrag im Gefangenenbuch des Münchener Polizeigefängnisses. In der Rubrik „Grund der Inhaftierung“ findet sich bei Heckmann lediglich die Angabe „Prüfung der Schutzhaft“, während bei anderen Gefangenen konkrete Straftatvorwürfe genannt wurden (z.B. „arbeitsscheu“, „gewerbliche Unzucht“ oder „Päderast“...). Offenbar war bis zu diesem Tag kein eindeutiger Haftgrund nachweisbar.

Die Gestapo kennzeichnete ihn als Homosexuellen, im KZ musste er den „Rosa Winkel“ tragen. Nach dem Lager Dachau kam er ins KZ Mauthausen. Nach jahrelanger Arbeit im Steinbruch wurde er im „KZ-Orchester“ eingesetzt, und musste sogar zu Hinrichtungen aufspielen. Dieser Umstand rettete ihm vermutlich das Leben. Nach der Befreiung aus dem KZ blieb er dennoch das „schwarze Schaf“ seiner Familie. Er starb im Alter von 97 Jahren.

Der Film „Klänge des Verschweigens“ schildert aus der persönlichen Perspektive des Neffen, wie seine Familie mit dem schwulen Onkel umging. Dieser Neffe ist Klaus Stanjek, der Regisseur des Films. Stanjek wurde in Wuppertal geboren und lebt heute in Potsdam. Mit detektivischer Konsequenz untersucht der Dokumentarfilm das, was jahrzehntelang verschwiegen wurde. Insgesamt elf Jahre dauerten die Recherchen und die Herstellung dieses Films, der auch in Altena gedreht wurde.

Seit der Fertigstellung ist der Film mit mehreren Preisen und Auszeichnungen prämiert worden, hat zahlreiche Kinoaufführungen und Festivalauftritte hinter sich und wurde von der Fachpresse sehr gelobt. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) schrieb dazu: „Klänge des Verschweigens ist ein unmessbar wichtiger Film gegen das Vergessen der Verbrechen an Menschen, die nicht der Norm entsprachen. Eine filmische Mahnung gegen das Vergessen und für die Menschlichkeit.“

Sendetermin im WDR ist der 23. Dezember um 1 Uhr – also in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Anschließend ist der Film wie üblich in der Mediathek des WDR online abrufbar.

www.klänge-des-verschweigens.de

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