Urteil

Brandstifter-Prozess: Ohne sichtbare Emotionen

Heike Hartmann-Garschagen (links) vor der Verkündigung des Urteils. -  Foto: Bender

Altena - „Der Haftbefehl bleibt in Vollzug“ – mit diesen Worten schickte Heike Hartmann-Garschagen die beiden Brandstifter Dirk D. und Marcel N. zurück ins Gefängnis, nachdem sie zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Die Verteidiger hatte in ihren Plädoyers die Aussetzung des Haftbefehls gefordert.

Sechs Jahre Haft für Dirk D. und fünf Jahre für Marcel N. - damit ging das Schwurgericht noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Strafverschärfend werteten die drei Berufrichterinnen und ihre beiden männlichen Schöffen den fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat und die Tatsache, dass sich in dem Haus, in dem sie Feuer legten, sieben Menschen wohnten. Bei Dirk D. kam hinzu, dass er bis zur Aufklärung des Verbrechens bei den Feuerwehren in Altena (ehrenamtlich) und Lüdenscheid (hauptamtlich) tätig war.

Die beiden Angeklagten nahmen das Urteil mit gesenkten Häuptern und ohne sichtbare Emotionen hin. Es bedeutet neben der Haftstrafe auch ein hohe finanzielle Belastung: Sie tragen alle Kosten des Verfahrens, diese dürften im sechsstelligen Eurobereich liegen.

Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn zeigte sich in einer ersten Reaktion zufrieden mit dem Urteil: Was die Bewertung der Tat angehe, sei die Kammer mit ihrer Verurteilung wegen schwerer Brandstiftung seinem Antrag gefolgt. Dass die Strafe für Marcel N. höher ausfiel als von ihm beantragt, gehöre zu den üblichen Differenzen bei der Bewertung von Straftaten.

Alles zu dem Prozess

Lutz Mollenkott, der Verteidiger von Marcel N., stellte sich nach der Verhandlung nicht den Fragen der zahlreichen Journalisten. Anders sein Kollege Andreas Trode, der Dirk D. vertritt. Er sei zufrieden, dass der Vorwurf des versuchten Mordes vom Tisch sei, sagte er – „aber über das Höhe der Strafe kann man diskutieren“. Trode kündigte an, in dieser Frage Revision beim Bundesgerichtshof einzulegen.

Eine der von dem Brand betroffenen Familien trat als Nebenkläger auf. Anwälte der drei Syrer waren Jost von Wistinghausen und der aus dem NSU-Prozess bekannte gebürtige Siegener Mehmet Daimagüler. Für sie sei es ein wichtiges Zeichen gewesen, dass das Schwurgericht die Sache an sich gezogen habe. Durch das Verfahren vor dieser für schwerste Verbrechen zuständige Kammer werde signalisiert, dass die Justiz Anschläge auf Flüchtlingswohnheime äußerst ernst nehme, sagte von Wistinghausen. Er hatte auf versuchten Mord plädiert. Ob er in Berufung gehen werde, könne erst nach gründlicher Prüfung des Urteils und nach Rücksprache mit seinen Mandaten entschieden werden. Auf den ersten Blick sehe er in der Urteilsbegründung „einige kleine Schwächen“. Grundsätzlich habe die Kammer aber „einen guten Job gemacht“.

„Das war keine Aktion besorgter Bürger, sondern eine gravierende Straftat“, sagte Daimagüler, bevor er der Burgstadt ein Kompliment machte: „Meine Mandanten haben das Glück, in Altena zu leben“. Sie hätten nach dem Brandanschlag Solidarität und Unterstützung vieler Menschen und Institutionen erfahren. 

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