Windkraftpläne: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“

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Roman Becker weist in Richtung des geplanten Standortes einer der Windkraftanlagen. „Es wurmt mich wirklich, dass die Natur hier großflächig kaputt gemacht werden soll.“ Da will der Dahler „Sand im Getriebe“ sein.

Altena - „Wenn Sie dieser Schneise 80 Meter weit folgen, kommen Sie zum Standort der Windkraftanlage 4“. Es ist neblig und kalt, aber das ist nicht der Grund, warum Roman Becker grimmig schaut.

Es sind die auf dem Hochplateau der Giebel geplanten sechs Windkraftanlagen, die Becker zornig machen. Der Offizier a. D. und gelernte Garten- und Landschaftsbauer hat sich seit Bekanntwerden der Windenergiepläne für den Kohlberg mit diesen beschäftigt. Ihm sei schnell klar geworden: „Das möchte ich verhindern.“

Er verweist zum Beispiel auf den Verlauf des Höhenprofils zwischen Lenneniveau und Kohlberg. Die Lenne bei etwa 160 Metern über Null, das Kohlbergplateau gute 300 Meter darüber. „Wenn ich da dann noch 200 Meter hohe vertikale Strukturen hinsetze, habe ich ein komplett verschandeltes Landschaftsbild – proportional ist das ein Witz“, kritisiert Becker.

Für die Natureingriffe sei nach einem ministeriellen Erlass zwar ein „Ersatzgeld“ zu bezahlen, doch seien diese Summen „putzig“ und würden zudem geringer, je mehr Anlagen gebaut würden.

Darüberhinaus sei er als Anwohner der Mühlhofstraße auch ganz persönlich von den Vorhaben betroffen. „Das ganze umliegende Wohngebiet wird mit einem Viertelkreis aus den Anlagen konfrontiert.“ Beckers Wohnung zum Beispiel läge gerade 799 Meter von einer der Anlagen entfernt. Ihn erwartet nach eigenen Angaben ein Nachtschallpegel von 40 Dezibel – und auch Schattenwurf, obwohl ein Gutachten dazu andere Angaben macht. „Das ist fehlerhaft“, ist Becker überzeugt, nachdem er einen Blick auf Karten und Höhenlinien geworfen hat.

Roman Becker erinnert aber auch an die Gefahren für die Tierwelt, insbesondere für Windenergieanlagen-sensible Tierarten wie Zugvögel. Zwar existiert ein „Tötungsverbot“, weiß der Dahler. Aber niemand, weder bei der Stadt Neuenrade, noch beim Regierungspräsidium oder beim Kreis habe ihm plausibel machen können, wie das eingehalten werden soll. „Wer soll das kontrollieren?“, fragt sich Becker. Ob man in der Zugzeit tatsächlich die Anlagen für drei oder vier Wochen abschalten lasse, bezweifelt er stark. „Das dürfte ja dann auch kaum noch wirtschaftlich sein“.

Wenn zudem statt eines externen Fachgutachters nun das Landesamt für Umwelt und Naturschutz eingeschaltet (Lanuv) werde, mache ihn das misstrauisch, sagt Becker. „Da wird doch der Bock zum Gärtner gemacht. Interessenkollisionen werden da nicht gerade provoziert“, erwartet der Dahler.

Sein Fazit: „Ja, es gibt einen gesellschaftlichen Konsens für die Energiewende. Aber man muss auch fragen, auf wessen Kosten das alles gehen wird.“ Es gebe nämlich auch das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme – „und das wird einseitig sehr weit strapaziert.“ Trotzdem will Becker nicht resignieren: „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Sonst würde ich nichts mehr machen.“

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