Krankenhaus stabilisiert sich

Mit Jens Linderhaus verlässt ein leidenschaftlicher Altersmediziner das St. Vinzenz-Krankenhaus. Im Bereich der Geriatrie hat er Pionierarbeit geleistet. Jetzt geht er

Altena -  Die gute Nachricht zuerst: Die finanzielle Situation des Krankenhauses hat sich soweit stabilisiert, dass die Zahlung der Gehälter auch über den 1. Oktober hinaus gewährleistet ist. Dann läuft die dreimonatige Frist aus, in der die Mitarbeiter von der Agentur für Arbeit Insolvenzausfallgeld bezogen haben.

Geschäftsführer Dirk Wiese musste den Mitarbeitern am Freitag, 11. September, aber auch eine traurige Mitteilung machen: Jens Linderhaus wird das Haus zum Jahresende verlassen und eine „weiter entfernte Stelle in der Altersmedizin“ antreten, wie es in einer Mitteilung des Hauses heißt.

Linderhaus hat vor sechs Jahren die Nachfolger von Dr. Rüdiger Balbach angetreten und das Altenaer Krankenhaus als Chefarzt der Inneren Abteilung und vier Jahr lang auch als ärztlicher Direktor wesentlich geprägt.

Linderhaus hatte seine Kündigung schon eingereicht, bevor im Juli der Antrag auf Insolvenz eingereicht wurde und sie dann angesichts der prekären Situation wieder zurückgenommen. Jetzt zog er endgültig die Notbremse: Der sechs Jahre währende Kampf um den Erhalt des Hauses habe seine Spuren hinterlassen. Der Punkt, an dem seine Familie unter der andauernd hohen Belastung zu sehr gelitten habe, sei schon lange überschritten gewesen, sagte er. Ausdrücklich dankte Linderhaus gestern all jenen, die ihn und sein Team in den vergangenen Jahren beispiellos und kontinuierlich unterstützt hätten. Er bat sie, darin auch nach seinem Abschied nicht nachzulassen.

Wiese äußerte gestern volles Verständnis für den Schritt des beliebten Arztes. Linderhaus werde dem Haus bis zu seinem Ausscheiden „mit unverminderter Kraft“ zur Verfügung stehen. Die Suche nach einem Nachfolger sei bereits angelaufen, Linderhaus sei daran beteiligt. Es gebe mehrere Interessenten und er sei „fest davon überzeugt“, dass sich diese Personalfrage lösen lasse, sagte Wiese. Von Linderhaus’ Nachfolger werde erwartet, dass er in die von diesem geschaffenen, bewährten Strukturen einsteige und diese behutsam weiterentwickele.

Was das laufende Insolvenzverfahren angeht, zeigte Wiese sich gestern verhalten optimistisch. Er berichtete von drei Übernahmeinteressenten, deren Konzepte jetzt geprüft würden. Eine vierte Option wäre ein Insolvenzplan mit dem Ziel, das Haus in der Trägerschaft der Deutschen Klinik-Union weiterzuführen. Angestrebt werde in den kommenden drei Wochen eine Entscheidung zu finden, sagte der Geschäftsführer.

Bemerkenswert ist, dass die finanziellen Probleme keine Auswirkungen auf die Patientenzahlen haben. Im Gegenteil: Die Auslastung des Hauses ist in der zweiten Jahreshälfte deutlich gestiegen. Zugpferd des St. Vinzenz ist nach wie vor die Innere mit einer Auslastung von kontinuierlich über 100 Prozent. Aber auch die Akzeptanz der Chirurgie nimmt zu – es habe sich herumgesprochen, dass deren neuer Chefarzt Dr. Dirk Ernst ein hervorragender Operateur sei, sagte Wiese gestern.

Nur die Belegung der neuen Palliativbetten hinke noch hinter den Erwartungen hinterher. Trotzdem gebe es Anzeichen dafür, dass das Haus 2015 zum ersten Mal seit vier Jahren eine schwarze Null schreiben könnte, sagte Wiese.

Wie schon in der Vergangenheit sprach sich der Geschäftsführer auch während des Pressegesprächs dafür aus, das Leistungsspektrum weiter auszubauen. Gerne würde er am dem Krankenhaus angegliederten Gesundheitszentrum einen Facharzt für Neurologie ansiedeln. Es sei bisher aber noch nicht gelungen, einen entsprechenden Facharztsitz zu erwerben, bedauerte Wiese.

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